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Archiv für den Monat November 2012

Einige Artikel: „Imperien können auch gut sein“; Rechtsextremer Schornsteinfeger bekam den „schwarzen Peter“; Ein Preis des Wortes für einen Aufstand der Geschlechtsteile; Sinti und Roma sind nicht das Problem…; Etablierte Denunziation-Schickeria

Rechtsextreme Schornsteinfeger bekam den „schwarzen Peter“
Wenn jemand „beim Staat arbeitet“ (nicht als Beamter aber als „Beliehener“), in fremder Leute Wohnungen geht um dort den Kamin zu reinigen, sollte er eine gewisse Neutralität mitbringen und verinnerlicht haben.
Wenn so jemand in seiner Freizeit dann den Mördern von unschuldigen Leuten „gedenkt“ und sich damit gegen seinen Arbeitgeber und seine „Kunden“ stellt, sollte er damit rechnen seine Arbeitsstelle zu verlieren.
So geschehen beim Schornsteinfeger Battke. Und die humoristische oder einfach geschmacklose Aufarbeitung auf lachschon.de (eine der obszönsten und unlustigsten Seiten des deutschsprachigen Raums).

„Imperien können auch gut sein“
Irgendwie hat man mir in der Schule beigebracht, Imperien sein böse. Ich fand das damals schon scheiße, weil ich spätestens seit Star Wars wusste das ein Imperium verdammt „cool“ sein kann. Größenwahn und Versklavung ist zwar doof aber so ein fetter, mächtiger Apparat der überall zuschlagen und verschiedene Gruppen binden kann um „Frieden und Ordnung“ zu sichern, ist schon was feines. Weil kein galaktisches Imperium zugegen war, wand ich mich Vergangenheit und Gegenwart zu: China, Rom, Byzanz, HRRDN, Osmanisches Reich und die „Vereinigten Staaten von ‚Merica“ und die damals für mich frische „Europäische Union“! Beeindruckend.

Das findet auch Berthold Seewald in der Welt. Ein Kommentator fragte ob Herr Seewald etwas getrunken hätte, immerhin zitiert er recht unkritisch ein Buch von Burbank und Cooper die die EU als eine der „innovativsten Großmächte“ bezeichnen und den Imperialismus der VSA (USA) loben.

„‚Die Europäische Union hat die politische Loyalität der meisten Menschen auf ihren Territorien nicht sicher gewonnen, aber ihre Führer haben die Möglichkeit, gegenüber äußeren Mächten geschlossen zu handeln und zu versuchen, Konflikte unter Mitgliedsstaaten einzudämmen.‘ Auch das ist eine bemerkenswerte Leistung eines Imperiums.“

Alles klar. Prost! (Meine Einstellung zu Imperien hat sich etwas gewandelt 🙂 )

Ein Preis des Wortes für einen Aufstand der Geschlechtsteile
Es steht im Raum das die russische Punk-Rock-Band(e) den Preis „Das unerschrockene Wort“ bekommen sollen. Die wurden für ein „Punk-Gebet“ in einer Kirche in Russland übertrieben scharf verurteilt und sitzen derzeit in einem russischen Arbeitslager ein. Unschön aber in Deutschland hätte es sie auch treffen können:
„Wer den Gottesdienst oder eine gottesdienstliche Handlung einer im Inland bestehenden Kirche oder anderen Religionsgemeinschaft in grober Weise stört oder an einem Ort, der dem Gottesdienst einer solchen Religionsgemeinschaft gewidmet ist, beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Dem Gottesdienst stehen entsprechende Feiern einer im Inland bestehenden Weltanschauungsvereinigung gleich.“
Einen Preis hätten sie also vom Recht weg, nicht verdient. Kann man erneut in der Welt lesen. Lesenswert. (Altes Motto von Punks ist ja angeblich „Legal. Illegal. Scheißegal.“ – interessant das sie sich doch plötzlich bei den Gläubigen entschuldigt haben.)

Sinti und Roma sind nicht das Problem
Wie würde man diesen SP-TV-Beitrag politkorrekt beschreiben? Ein Versuch [natürlich lasse ich alle Stellen weg, in dem sich der Beitrag um die katastrophalen Bedingungen unter dem manche  Zigeuner leben müssen – dank der Hausbesitzer – kümmert, weg. Denn der SPON-Beitrag ist böse. Muss böse sein.]:
Spiegel-TV hat wieder einen furchtbaren tendenziösen und rassistischen Beitrag geschaffen, der die „deutsche Volksseele“ zum Kochen bringen wird. Erneut berichtet Spiegel-TV über befremdliche Erzeugnisse und Verhaltensweisen von Menschen aus Bulgarien und Co. und lässt dabei Raum für rassistische und antiziganistische Äußerungen scheiß weißdeutscher Renter und Polizisten („Deutsche Polizisten schützen die Faschisten!“). Denn es ist nicht das Problem, dass die „Einwanderer“ ein Verhalten zeigen, dass den etablierten und hart erkämpften Sitten und Gesetzen der Deutschen krass widerspricht, sondern dass die benachbarten Deutschen nicht tolerant genug gegenüber diesen Menschen und ihren fremden Sitten, Verhaltensweisen und Kulturen sind. Wirklich was tun kann der Staat anscheinend nicht. „Zigeuner“, Polizisten und Anwohner scheinen sich selbst überlassen…

Etablierte Denunziation-Schickeria
Das Deutschlandlied, Ursprung der bundesdeutschen Nationalhymne, Freiheits, Einigkeits und Nationallied der Deutschen… Nein wohl doch nicht mehr. In der FAZ kann man einen selten gut geschriebenen Artikel lesen, was passiert wenn man als Lehrer seiner Klasse das Deutschlandlied aus der Historie heraus erklärt und anschließend singen lässt: man wird Opfer des „Kampfes gegen Rechts“. Kinder verpfeifen ihre Lehrer an die Eltern (wie in schlechten Filmen) und diese Eltern üben mit Überzeugung verbale Lynchjustiz. „Mündige Staatsbürger“ allerorten. „Die Wacht am Main“

Nun haben also die „Identitären“ in Deutschland ihre erste Aktion durchgeführt und sich somit  auch ein bisschen Berichterstattung eingehandelt. Und zwar in der „Community“-Sparte beim  Freitag, verfasst von einem TKAISER. Was ich von der „Identitären Bewegung Deutschlands“ halte, soll an anderer Stelle ausführlich behandelt werden. Jetzt geht es um die Berichterstattung. Denn die zieht beinahe wieder alle Register um die Faschismuskeule zu schwingen.

Berichtet wird von der Aktion der IBD (bzw. der Frankfurter Abteilung) die bei der Eröffnungsveranstaltung der interkulturellen Woche mit „Multikulti wegbassen“-Schildern und Masken ein bisschen gestört haben. Das war die erste Aktion auf deutschen Boden. Eine vergleichbare, wenn auch mit mehr Menschen, durchgeführte Aktion in Wien, wurde von der dortigen Presse als „rassistischer Übergriff“ dargestellt. Dabei wurde auch hier nur mit Masken getanzt. Eine Teilnehmerin der gestörten Wiener Caritas-Veranstaltung tanzte zu dem mit den Identitären. Soviel zur Sachlage. Jetzt zur Freitags Berichterstattung/Meinungsäußerung:

Zunächst einmal macht sich der Autor über die Protestaktion lustig:

„… Meine Gefühle während dieser etwas skurrilen Darbietung: ein Gemisch aus Fremdscham und Belustigung. Meine Gedanken: „Ächz. Die neuen Rechten versuchen wieder, kreativ zu sein“. …“

Ich kenne ja die Meinung des Autors zu den „Pussy Riot“-Auftritten nicht aber denke, dass in bunten Klamotten in einer Kirche rumzuhüpfen doch sicher dann nicht minder „fremdschämwürdig“ sein müsste, oder?

In kurzer oberflächlicher Abhandlung setzt er sich mit den Inhalten der IBD auseinander. An Schlagworten macht er fest, das es sich inhaltlich um „Neue Rechte“ handelt. Anschließend spricht er noch eine Ähnlichkeit des IBD-Manifests mit den Manifest des Terroristen Breiviks (Damit kann man dann bei „Rechte bringen Menschen um – immer!“ einen Haken machen) an nur um dann zu einer Strichliste überzugehen, die die IBD seiner Meinung nach erfüllt und damit wohl als faschistisch abgehakt ist:

„Nationalismus, Antimodernismus, Antiintellaktualismus, martialisch angehauchtes Vokabular, Konstruktion homogener Feindbilder, Konstruktion einer homogenen, bedrohten Gemeinschaft …“.

Och, nein!  Ist es ist ja nicht so, dass er nicht minder radikal wäre. Er erfüllt da in meiner Checkliste dann folgendes:

„Antinationalismus, Antitraditionalismus, lockeres Vokabular, radikaler Intellektualismus, Konstruktion homogener Feindbilder („Die Rechten“), Konstruktion einer homogenen, bedrohten Gemeinschaft: hier die „offene Gesellschaft“ in der alle gleichgesinnte Weltbürger sind.“

Ergo, das Gleiche nur unter anderen Vorzeichen. Er ist natürlich nicht anfällig für solches, rechte Gedankengut, aber die bösen Deutschen haben bei bei der Emnid-Umfrage zu „40 – 50%“ angegeben, dass sie sich von fremden Kulturen bedroht fühlen. Also warten schon Scharen von jungen Menschen die sich erneut als Mitläufer (Wie bei den Nazis! Wie damals! Schon wieder!) betätigen werden. Deswegen den Ball flachhalten und keine Werbung für „die Patrioten“ machen. Doch ausgerechnet am Ende des Textes spricht er dann den Punkt an, der ein Hauptpunkt vieler junger, patriotischer Bestrebungen ist:

„… Denn eins ist klar: wenn offensichtlich wird, dass große Teile der Bevölkerung sich im Vergleich zu Minderheiten im Nachteil fühlen und wenn diese Menschen sich nicht darüber im Klaren sind, wie widersprüchlich das ist, dann haben wir es auch mit einem Kommunikationsvakuum zu tun, das aus Verdrängungs- und Verleugnungsprozessen im gesellschaftlichen Diskurs entstanden ist. Und dieses Vakuum werden die „Identitären“ sehr gerne ausfüllen.“

Natürlich baut er auch hier eine Notbremse ein: „wenn diese Menschen [die Mehrheit; Anm. cundar] sich nicht darüber im Klaren sind, wie widersprüchlich das [Sich von einer Minderheit bedroht zu fühlen; Anm. cundar] ist,…“.

Wieso ist das widersprüchlich? Nur weil wir – noch – viele sind, sagt das nichts darüber aus, wie gefährlich eine Minderheit sein kann und wie sich deswegen eine Mehrheit von dieser bedroht fühlen kann. Wie viele Leute hat es letzendes gebraucht Amerika zu kolonialisieren?
Wenn diese Minderheit im Gegensatz zur Mehrheit eine Identität haben darf, man auf ihre kulturellen Wurzeln Rücksicht nehmen muss, ja sogar  fremden völkischen Interessen entgegengekommen wird – aber im Gegenzug das Eigene verleugnen muss bzw. mit ansehen, wie es tagtäglich weiter dekonstruiert wird, dann fühlt man sich bedroht. Und wenn diese Angst dann leichtfertig abgetan wird, kränkt man Menschen.

Natürlich geht es nicht darum der Angst einfach nachzugeben. Das wäre kindisch und führt zu diesen romantischen Homogentitätsvorstellungen, die auf nationaler wie auf internationaler Ebene Hunderten von Millionen Menschen bereits das Leben gekostet hat. Es geht zunächst darum dieses irrwitzige Experiment der Unidentität die sich im Über-Individuellen (der reine [!] moderne Weltbürger ist hier gemeint) versteckt oder der schizophrenen Multiidentität wie sie die „Multikulturelle Gesellschaft“ hervorbringt, zu beenden.

Es geht darum die vielen kulturellen Identitäten die schon existieren anzuerkennen und die Menschen die dort Leben, diese gemeinsame Identität leben zu lassen. Damit erhält man noch das Wissen von einem Gemeinwesen, von einer Gemeinschaft, da man die gleiche Identität teilt und somit einen Handlungsrahmen hat, der konkret ist. Die Leute wissen dann worum es geht und auf Landesebene, wissen sie zu welchem Volk sie gehören. Damit erhält man das „Demos“ in der Demokratie, das „Volk“ in der „Volksherrschaft“. Das Idealbild vom gottgleichen, wurzellosen und nomadisch lebenden Menschen – wie das Idealbild des Weltbürgers gerne gezeichnet wird – der nur durch beliebige „Gesellschaften“ Bindung und Verantwortung gegenüber Mitmenschen annehmen soll, wird durch schiere Masse an Menschen und die Form unseres Planeten schon ausgehebelt. Während die einen wachen, müssen die anderen schlafen. Bei den einen ist es kalt, bei den anderen heiß. Ungleichheit.

Die Globalisierung mag den technischen Weltbürger ermöglichen aber der organische Mensch wird den Planten mit seinen Wurzeln spüren… Und sie deswegen verteidigen.