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Archiv für den Monat Dezember 2012

Unnötiger Mist-01„Unnötiger Mist“, geht mir manchmal durch den Kopf, wenn ich durch die Straßen ziehe und mir die Parolen, Aufkleber und Plakate irgendwelcher politischen Gruppierungen auffallen. Allerdings muss ich dann feststellen, dass sie damit ihren Zweck an mir schon erfüllt haben. Selten erfahre ich darin etwas Inhaltliches, Konstruktives; meist ist es einfach nur eine Art „Hier“-Ruf oder – das ist schlimmer, aber leider meistens der Fall – ein Gefühl der Ablehnung, das mich an das Gefühl erinnert, wenn ich den strengen Geruch eines Furzes, den jemand heimlich und still in einem mit Menschen gefüllten Raum losgelassen hat, rieche. Die „Hier“-Rufe sind berechtigt und mögen typisch für eine Massenkultur sein, aber die „Fürze“! Wenn zu viele Menschen diese Art des „Ideenaustausches“ betreiben, verpesten sie die ganze Öffentlichkeit.

Vermutlich waren es Antifaschisten, die in den letzten zwei Jahren zehnmal die Gedenktafel für gefallene Soldaten und Opfern von Bombenangriffen während des 2. Weltkrieges beschmiert haben. Auch die Gedenktafel für Stauffenberg in Bamberg hat mehrmals etwas abbekommen. Immer wieder werden auch anderorts Kriegerdenkmäler oder nicht ins Geschichtsverständnis der eigenen Gesinnung passende Bauwerke geschändet. Dazu kommen dann noch die Aufkleber mit knappen Sprüchen. „Nazi sein heißt Probleme kriegen“ hängt in einer größeren Stadt mit zahlreichen Aufrufen zu verschiedenen Aktionen mehrmals an Laternenpfählen. Bunt und direkt kommunizieren die politischen Randgruppen in der in ihrem Milieu etablierten Sprache. Wird hier ein „Naziaufkleber“ überklebt, kommt auf den Laternenpfahl gegenüber schon „Nationaler Sozialismus jetzt!“.

Der Weg in die Öffentlichkeit wird dadurch zu einem Spießrutenlauf durch eine Ansammlung von „Fürzen“, die sich so mit der Zeit ansammeln, dass man nur noch durch die Straßen stürzt und links und rechts die „Fenster aufreißt“ – indem man die Aufkleber abreißt.

Ganz besonders sind aber die Demonstrationen. Erst marschiert der „Nationale Widerstand“ durch das Quartier und brüllt „Dumm. Dümmer. Demokrat!“ und das obligatorische „Nationaler Sozialismus! Jetzt! Jetzt! Jetzt!“ damit die Muttis ihre Kinder ganz sicher ängstlich vom Fenster wegholen. Dazu kommen noch die Kaiserreichsfarben und „nationale“ Transparente mit ihren Parolen, die so einfach sind, dass sie schon wieder unwichtig sind. Hinter den Transporten trotten dann „deutsche Menschen“ mit Skaterklamotten in feschem Schwarz. Ein Trauerzug, der jeden SA-Mann wahrscheinlich verschreckt hätte. Aber der SA-Mann ist ja tot. Und neue Leute gewinnt man durch dieses Auftreten vermutlich nicht im erhofften Umfang. Denn wer möchte schon zu einem Deutschland gehören, das auf der Straße nur aussieht wie Versagen, Wut, Frust, Kälte und lebloser verhärteter Stolz.

Sind die „Nazis“ weg, folgen meist die „Kämpfer gegen Rechts“ oder Antifaschisten, die einige „rassistische“ Übergriffe dermaßen aufbauschen und die Opfer als Speerspitze ihrer Argumentation gegen Kapitalismus und „Deutschland“ nutzen, dass sich einem diese Widersprüchlichkeit  tief in die Gedanken einbrennt. Dann marschiert der wilde Haufen in modischen Klamotten oder „alternativen“ Couleurs durch die Straßen und verbreitet bei den Menschen weiter Irritation und Ablehnung durch ihr teils aggressives oder aufgesetztes Verhalten. Zwischen Dreads, Glatzen, Iros und einigen feinen Frisuren stecken dann einige einfache Hüte und Köpfe von „bürgerlichen“ Gestalten, die mit stolzer Mine in ihrem weißen Gesicht gegen „weißdeutsche Zustände“ marschieren, während der hinter ihnen gehende, für den Wasserwerfer ausgestattete „Berufsdemonstrant“ verachtende Blicke in den Rücken dieser Person bohrt. Ein Gemisch an verneinenden Meinungen, die nur durch ein gemeinsames Feindbild, Aktionismus und aufgeputschte Leidenschaften zusammengeschweißt werden.

Sind diese Aufmärsche vorbei, geht man wieder durch verwahrloste Straßen und zugeschmierte Unterführungen. In diesen fallen einem dann neue Sprüche und Zeichen auf. Dilettantisch, fast kindisch wie aus „Netz-gegen-Nazis“ entnommen steht da dann „Hass“ mit dem „S“ aus den SS-Runen, „Heil Hitler“ und massig Hakenkreuze. Anderorts steht dann „Nationaler Wiederstad“ [Fehler im Original].

Sind die wirklich so blöd oder einfach nur ehrlich? Oder wollen hier nur ein paar Antifaler etwas ihre  „Chronik über rechtsextreme Umtriebe in XYZ“ aufbessern? Besoffene Jugendliche, die mal was „Verbotenes“ tun wollen? Einige Tage später waren die Nazi-Schiemereien überschmiert, noch später weggewischt. Nur ein Wort wurde seltsamerweise nicht gelöscht – aber dazu später mehr. Einen Monat später stand am gleichen Ort  „Nationaler Wiederstand“ [Fehler im Original] verziert mit einem rechts- und linksdrehenden (LINKSdrehend! Unglaublich.) Hakenkreuz. Dazu kam dann noch ein schönes Keltenkreuz. Ein widerlicher „Furz“.

Zu meinem Erstaunen hatte das vorhin schon erwähnte Wort auch diese Übermalaktion überlebt. Denn offensichtlich scheint man sich in diesen doch so unterschiedlichen Gesinnungen in diesem Punkt sehr einig. Das so beständige, sehr für sich sprechende und wohl allgemein akzeptierte Wort lautete: Gewalt.


 

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