Alternative für Deutschland – Kleinpartei. Partei(en) ohne Bewegung und Füh… äh Prominenten.

Nun gibt es – mal wieder – eine neue Partei in Deutschland die eine Alternative darstellen möchte, zu den etablierten Parteien. Wieder eine bürgerliche Kleinpartei ohne Charisma und Bewegung. Was fehlt da?

Während die Piraten lediglich eine Erweiterung und Ergänzung zu dem immer Gleichen waren, weht jetzt speziell europapolitisch in dieser Partei ein anderer Wind. Die Wiedereinführung der Deutschen Mark und kleine Währungsräume stehen zur Diskussion. Ansonsten umschifft man Themen, die unsere antifaschistischen Netzwerke auf Hochtouren laufen lassen würden. (Ich vermute, dass trotzdem irgendwo ein paar ausgefuchste AGs daran werkeln, die „europakritische“ Haltung in eine „europafeindliche“ umzudeuten und dunkle Flecken in persönlichen Lebenswegen dortiger Mitlgieder zu finden. Siehe Nachtrag I und I a im Anschluss an den Haupttext.) Während sich die Pro- und Freiheit-Partei(en) anfängliche Sympathien durch zuviel Lärm verspielt und mit den (z.T.) berechtigten Rechtsextremismus-Bann belegt wurden, spielen sie allenfalls in kleinen Zirkeln eine Rolle oder fallen hin und wieder durch laute Aktionen auf. Insgesamt nahm ich auch hier einen beginnenden Dämmerzustand war, der mit der von REP oder DSU zu vergleichen ist.

Dazu will sich AfD wohl nicht gesellen. Sie schlawienert bei den anderen bürgerlichen Kleinparteien herum, wie z.B. der ÖDP und den Freien Wählern. Die ÖDP wurde durch ein gelungenes TOTALES Rauchverbot in Bayern bekannt und FW sind zwar in Stadt- und Landesparlamenten vertreten aber im öffentlichen Leben kaum präsent. Warum?

Wir haben uns bei den Jungdeutschen abgestimmt, dass hinter einer Partei eine Bewegung stehen sollte. Also nicht nur Demonstranten, Mitglieder und Beitragszahler, sondern Menschen die durch ihr Tun in ihrem täglichen Leben die politische Meinung auch vertreten, ja verkörpern. Nicht nur vor Wahlterminen präsent sein, sondern immer. Das prägt den Alltag und das Leben ohne ihn zu übertrieben zu „politisieren“ und eine politische Korrektheit aufzustellen.

Den stellenweise zur Schrei- und Skandalrepublik verkommen Staat, den die Grünen und Co. in den letzten dreißig Jahren etabliert haben, meinen wir damit also nicht.

Diese bürgerlichen Parteien haben sicher treue und engagierte Mitglieder aber eine Bewegung? Bewegung? Bürgerlich? Widerspricht sich das nicht? Ich denke nicht. Das „Warum“ beantworte ich in Zukunft an anderer Stelle.

Zu einer Bewegung gehört – und ich sage es jetzt so frei heraus – ein

Führer.

Tada! Wer jetzt allein an Hitler denkt ist entweder ein Nazi oder „Geschichtsporno“ geschädigt. 😉

Wenn man keinen Führer hat, dann doch wenigstens eine prominente Ikone. Hauptsache irgendwen, der der Bewegung ein Gesicht, eine Stimme und eine Projektionsfläche für Wünsche gibt. Der „klare Ansagen“ macht – sprich: die vielen Stimmen in so einem Haufen vereint.

Maria Weißband wurde von Medien zu so einer „Führerin“ der Piraten aufgebaut, bis sie selber die Reißleine zog. Bei den ein oder anderen etablierten Parteien gäbe es sogar Kandidaten die „so richtig Stimmung machen könnten“ (am politischen Aschermittwoch kommt das manchmal auf) aber durch Parteigeschacher zurückgehalten werden. Ein Blick ins Ausland hilft da manchmal: dort werden „Clowns“ (Zitat Steinbrück) Volksführer.

Der Italiener und Komiker Beppe Grillo z.B. schaffte Anfang dieses Jahres mit seiner Bewegung den Einzug in Italiens Volksvertretungen mit um die 25%. Ein Typ der das Geldsystem 1998 wie folgt erklärt hat:

Haben wir solche Typen nicht auch in Deutschland? Nun, wirklich unabhängig sind die bei uns nicht, meist alle bekennen sich direkt oder indirekt zu SPD oder Grüne aber sie schaffen es Forderungen aus dem Volk ohne parteipolitische Verarbeitung (im Moment ihres Auftritts) unter die Menschen zu bringen. Und zwar nachvollziehbar, unterhaltsam, emotional und kompakt.

Also Dieter Nuhr, Reinlas Grebe, Bodo Wartke, Volker Pispers, Serdar Somuncu oder Erwin Pelzig „for Führer“? Ich glaube nicht. Aber als Richtwert kann man sie hernehmen. Hauptsache es kommt kein Berlusconi dabei heraus…

Nachtrag I:
Ich schrieb: „Ich vermute, dass trotzdem irgendwo ein paar ausgefuchste AGs daran werkeln, die „europakritische“ Haltung in eine „europafeindliche“ umzudeuten und dunkle Flecken in persönlichen Lebenswegen dortiger Mitlgieder zu finden.“.
Ich lese auf publikative.org (Verweis) unter dem Titel „Rechtspopulisten gegen Europa“: „Mit ihrer neuen Par­tei wol­len sie die „Alter­na­tive für Deutsch­land“ sein. Ein paar erz­kon­ser­va­tive und deutsch­na­tio­nale Gestal­ten haben sich zusam­men­ge­fun­den, um ihren Traum von der Rück­kehr zur Deut­schen Mark mit einer neuen Orga­ni­sa­tion Nach­druck zu ver­lei­hen. Die „Alter­na­tive für Deutsch­land“ sorgt für Schlag­zei­len, das Ober­haupt die­ser Grup­pie­rung bewirbt sie zur bes­ten Sen­de­zeit im ZDF. Zual­ler­erst geht es um den Aus­stieg aus dem Euro; doch Unter­stüt­zer der Par­tei ver­tre­ten auch deutsch­na­tio­nale, völ­ki­sche und ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­sche Positionen. …“ 😀 Minutiös werden dabei vermeintliches  und tatsächliches Fehlverhalten (gerne aus dem Zusammenhang gerissen) mehrerer Mitglieder dargestellt  und die in der Entstehung befindlichen Partei als eine Art Bruder von Freiheit und Pro dargestellt. Und – wie vorhergesagt – natürlich ist die Partei mit ihren speziellen Ansichten nicht mehr nur „eurokritisch“ (kritisch gegenüber der EU) sondern „anti-europäisch“. Feinde Europas? Der Autor sollte nicht von sich auf andere schließen… aber mit Ehrlichkeit hat es der Autor (sein Blog „reflexion“ übt laut „Selbstbezichtigung“ „Kulturkritik bis zur Selbstzerfleischung“.) ja. So schreibt er am Ende: „Es geht um eine Samm­lungs­be­we­gung, die den­je­ni­gen eine Hei­mat bie­ten dürfte, die von einem star­ken Deutsch­land träu­men.“ Starkes Deutschland? Geht ja gar nicht. Oder?

Nachtrag I a:
„… In meinem Beitrag über Frei.Wild schrieb ich folgendes über das Schema wie extreme Meinungen in die Mitte der Gesellschaft transportiert werden:
Dabei wird das Netzwerk deutlich: Die antifaschistische (also “linksextreme”) Basis liefert die ideologische Diagnose, die von zivilgesellschaftlichen Organisationen gesellschaftsfähig gemacht werden (Publikative.org, Verweis), die wiederum anschließend seriös verbreitet werden (Störungsmelder von Zeit-Online) und anschließend reagieren die gleich gesinnten (oder nur verarschten?) Künstler (egotronic, Kraftclub, MIA, Caspar etc.). …“

Als hätte es jemand gelesen wurde der oben zitierte Artikel vom „reflexion-blog“ auf genau diesem Wege durchgereicht:
Schritt 1 Der Ursprung, die „Basis“: der Antideutsche (?) Martin Wassermann schreibt den Artikel „Rechtspopulisten gegen Europa“ und veröffentlicht ihn auf seinem Blog „reflexion-blog“ am 9. März.
Schritt 2 Das Portal Publikative.org verbreitet ihn am 10. März.
Schritt 3 Der zur ZEIT Online zugehörige Blog „Störungsmelder“ übernimmt und veröffentlicht ihn ungekürzt am gleichen Tag um 20:58 Uhr.  Damit ist die Mitteilung unter seriösem Verleger erschienen. Es fehlt eigentlich nur, das er auf der Hauptseite erscheint. Evtl. wird er indirekt genutzt, wenn ein Hauptjournalist ihn zitiert, dessen Artikel dann auf der Hauptseite erscheint.

Nachtrag II:
Bei der ersten Veranstaltung der AfD waren 1200 Personen anwesend und die Halle brechend voll. Mehr bei der FAZ (Verweis).

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3 Kommentare
  1. Gast sagte:

    Die AfD ist also „eine bürgerliche Kleinpartei ohne Charisma und Bewegung“?!?

    Aber, wie im Nachtrag II richtig erwähnt wurde, war die Halle bei der Auftaktveranstaltung brechend voll. Nach 3 Tagen hatte die AfD bereits 800 Mitglieder, keine Ahnung, wie viele seitdem dazu gekommen sind.

    Das IST eine Bewegung. Die Vorgänger- bzw. jetzige Parallelorganisation „Wahlalternative 2013“ gibt es schon länger.

    Zum Thema „Charisma“: Ich finde es eher verdächtig, wenn man auf so etwas abfährt. Dadurch kann man manipuliert werden. Was wichtiger ist (und woran es den Piraten mangelt), ist eine klare Organisation, in der – natürlich am Ende von demokratischen Entscheidungsprozessen – auch mal jemand sagt, wo es lang geht.

    Ein überzeugend und sachlich argumentierender Bernd Lucke ist mir lieber als ein Charismatiker, dem erst alle folgen und hinterher feststellen, dass er gar nicht die Inhalte vertritt, die man wollte.

    (Womit ich übrigens nicht sagen will, dass Bernd Lucke kein Charisma hätte. Im Gegenteil: Bei der Veranstaltung in Oberursel wurde er vom Publikum begeistert gefeiert.)

    • cundar sagte:

      Zum Thema „Charisma“: Ich finde es eher verdächtig, wenn man auf so etwas abfährt

      Chrisma alleine war mir auch gar nicht so wichtig. Ich schrieb:

      Hauptsache irgendwen, der der Bewegung ein Gesicht, eine Stimme und eine Projektionsfläche für Wünsche gibt. Der “klare Ansagen” macht – sprich: die vielen Stimmen in so einem Haufen vereint.

      Das deckt sich dann wieder mit Ihren Aussagen. Eine „Charismatische Herrschaft“ (Max Weber) war mir nicht im Sinn.

      Es ist in Deutschland schon eine große Leistung einen Saal zu füllen und Leute zu motivieren politisch tätig zu werden. Es bleibt jedoch die Frage wie sie sich etablieren kann um die Masse anzusprechen. Die Umstände – viele zerstrittene, bürgerliche Kleinparteien unter Aufsicht radikaler Tugendwächter – machen es da sehr schwer. Meine kritischen Anmerkungen waren da allgemeiner Natur, mal sehen wie sich die AfD etabliert.

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