Flimkritik: Die Vermessung der Welt

Links: Carl Friedrich Gauß, Rechts: Alexander von Humboldt

Links: Carl Friedrich Gauß, Rechts: Alexander von Humboldt; Quelle: Wikimedia

Das hat man für einen Film: Ein weltberühmtes Buch als Grundlage, die modernste Kameratechnik, eine gute Ausstattung, Gelder, Organisationskraft und gute Schauspieler.

Und was macht man daraus?

Man ersäuft die spannende Geschichte in einer Bilderflut. Naturaufnahmen statt Inhalt! Man zieht Humboldt die Uniform und damit die janusköpfige Haltung aus, wird Patriotismus erwähnt – im Buch ganz neutral der Zeit entsprechend behandelt – wird es hier als stumpfsinniges Etwas beschrieben (wiederum ganz entsprechendes des heutigen Selbsthasses) und die Fürsten sind noch lächerlicher als sie im Buch beschrieben wurden. Dem wachsenden  Erzählstrang wird die Reihenfolge geraubt und Schlüsselszenen (Die Begnungen mit Fürsten werden auf ein Minimum begrenzt, große Teile des Lebensweges, die Jugend, weggelassen; usw.) übergangen, die Handlung trivialisiert. Und das, obwohl der Autor des Buches beim Drehbuch mitgearbeitet hat.
Wo der Film die Vorstellung des Zuschauers sprengen könnte, verfällt er auf die Grenzen einer Theaterbühne! Übertriebene Haha-Momente übertrumpfen die historischen und tiefen Aussagen des Buches. Die Philosophie weicht dem Kitsch auf dem Niveau einer Produktion des öffentlichen rechtlichen Rundfunks zur Primetime am Dienstagabend. Der ganze Film spiegelt sich in einer Szene wieder, in der Humboldt sich vor versammelter Mannschaft inklusive Gauß einnässt. Die Kamera hält voll drauf. „Das ging in die Hose“ trifft damit auch auf diesen Film zu.(Ich weiß nicht, ob Alex. von Humboldt wirklich inkontinent war. Wenn ja, dann mag diese Darstellung ansatzweise gerechtfertigt sein. Wenn nicht, ist sie noch überflüssiger als sie es jetzt schon ist.)
Ein Epos hätte es sein müssen  und nicht so etwas!

Und dann doch… Gute Bilder – ach was – so richtig stimmungsvolle Bilder, manche Reste der Geschichte die überzeugen. Eine Enttäuschung aber keine Zeitverschwendung.

Dieser Film ist wieder ein Beweis dafür, dass der „Deutsche Film“ abseits vom 2. Weltkrieg, DDR und Alltagsgeschichte lahmt. Gerade bei historischen oder epochalen Themen. Als nächstes werde ich mir die „Männer der Emden“ ansehen. Auch hier erwarte ich nichts, freue mich aber auf Überraschungen.

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1 Kommentar
  1. Guten Abend!

    Ich habe den Film ganz ähnlich erlebt und das Kino sehr ärgerlich verlassen. Die beschriebene Szene des Einnässens von Humboldt, habe ich als Demütigung empfunden, die man diesem großen Mann angetan hat. Sicher, er war auch ein wenig ‚besonders‘, aber ohne diese Besonderheit, wäre er wohl auch nie dahingekommen, wohin er kam. Im Buch tut der Autor dies mit einem Schmunzeln, mit einem Augenzwinkern ab, aber was dieser Film tut, oder besser die Verantwortlichen desselben, ist einfach nur grauenhaft und erbärmlich.

    Beste Grüße!

    Jörmund

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