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Archiv für den Monat Juni 2013

Symbole („die Fahnen, Wappen, Hymnen und Symbole“) des Nationalsozialismus und der UdSSR wurden in Lettland jetzt verboten. Uniformen der Sowjet- und Waffen-SS-Verbänden dürfen aber weiter an Gedenktagen getragen werden. Ein russischer Politiker nannte solches Handeln „blasphemisch“.

Mit Verboten bekämpft man bekanntlicher Weise keine Ideen, erleichtert es aber deren Ausbreitung entgegen zu treten. Dieses Verbot finde ich gut, jedoch muss auch vermittelt werden, warum es notwendig ist. In Deutschland scheint so ein Verbot ziemlich unmöglich, zu festgefahren ist ein einseitiges Geschichtsverständnis. Hätten wir es hier, würden wir den Teufel schon an beiden Hörner haben und könnten uns endlich auf den Nasenring konzentrieren: den Radikalliberalismus in seinen verschiedenen Ausprägungen.

Quelle: http://www.welt.de/politik/ausland/article117351284/Lettland-verbietet-Hakenkreuz-und-roten-Stern.html

In einem langen und sehr ausführlichen Artikel beschreiben Ulrich Exner, Miriam Hollstein und Simone Meyer in der Welt Online das Bild der Bundeswehr im Volk. Der Artikel lässt wirklich keine Unverschämtheit, keine Beschimpfung und keine Forderung irgendwelcher „Friedensaktivisten“ (Die aber gerne militärische Friedenseinsätze befehlen) aus, die das Ansehen dieser deutschen Armee geschwächt und auch ihr Selbstverständnis gebrochen hat.

Obwohl ich mich den Ausführungen anschließe, muß ich doch ansprechen das dieser Artikel auf etwas überhaupt nicht eingeht: Die dunklen Seiten. Kein Wort über unsinnig-menschenverachtende Rituale in der Truppe, kein Wort über unschuldige zivile Opfer und kein Wort über fette, unfreundliche Soldaten die Bierkästen durch Züge schleppen.

Es sind diese Argumente die immer wieder gegen die Soldatinnen und Soldaten ins Felde geführt werden. Diese gilt es nicht nur zu entkräften sondern durch das Tun der Betroffenen zu widerlegen. Für alles andere muss die Politik und auch jeder einzelne Bürger ran: Anerkennung muss sich ausdrücken können. Blicke nach Großbritannien und Frankreich können helfen. Der Gedanke an einen „deutschen Militarismus“ (Abseits von „Bravo Bundeswehr-Adventure-Camps“) ist unter den Zeichen der Demokratie für unsere europäischen Nachbarn sicher weniger bedrohlich, als es manche „Soldaten sind Mörder“-Schreier zur zeit noch beschwören.

"Den Teufel spürt das Völkchen nie,
und wenn er sie beim Kragen hätte." - Goethe, Faust I

Ich komme aus einem Umfeld, in dem jede „bürgerliche Tugend“ eine über Jahre hart erarbeitete Sache ist. „Bürgerlichkeit“ (Ich spare mir für heute ein Definition) ist daher für mich nicht primär mit stumpf-biederer Pflichterfüllung im kapitalistischen Sklavensystem verbunden, sondern gilt für mich als eine sinnstiftende, kulturtragende und praktische Art des menschlichen Zusammenlebens .  Es ist für mich eine – widersprüchliche – „idealistische Tatsache“ die seit Jahrhunderten funktioniert.
Da ich aber auch aus diesen weniger-bürgerlichen Verhältnissen stamme, kann ich mich dem kritischen Blick nicht verweigern, den ich über die Jahre gewonnen habe.  Ergebnis ist, dass der oben erwähnte Vorwurf von der „stumpf-biederer Pflichterfüllung“ tatsächlich da ist und es mich auch immer wieder entsetzt, welche „Schablonen-Menschen“ in diesem Umfeld erwachsen oder wie unreflektiert diese Lebensweise zelebriert wird.
Als Beispiel dieser Unreflektiertheit möchte ich ein paar Beispiele bringen, bevor ich kurz auf einen Welt-Artikel eingehe, der diese „bürgerliche deutsche Jugend“ beschwört.

Das die „Bürgerlichkeit“ bei einigen Leuten so selbstverständlich  ist, dass sie diesen schon nicht mehr bewusst ist, beschreibe ich mal an folgenden Beispielen:

Intoleranz:  Die Ablehnung anderer Lebensformen entwächst einer Arroganz die auf fehlender Reflexion der eigenen Lebensart zu fußen: Da wird die junge Mutter, die gerade mit der Familiengründung befasst ist, im katholischen Gemeinderat gemoppt, weil sie (wegen der Familiengründung) nicht regelmäßigen kommen kann. Da sind die Söhne und Töchter dieser moppenden Gemeinderatsmitglieder, die aus halbwegs stabilen Familien stammen, die straff durchs Gymnasium marschieren, sich nebenbei sozial engagieren, irgend ein mechanisch-praktisches Hobby haben (Fußball, Basketball, Radfahren, Musikinstrument, etc.), im Studium karriereorientiert Praktika abklappern, auf Hauptschüler und Realschüler schimpfen (was sie dann wieder zurücknehmen, wenn sei bei den Jusos anfangen) und sich langfristige Partnerschaften zulegen möchten. Heirat und Familiengründung steht fest, lediglich der Termin ist noch fraglich. In diesem so bürgerlichen Schemata kommen dann aber neben der Intoleranz eben eine Blasiertheit zu Tage, die mir in vielen Fällen graust: Da ist man zwar der der bürgerliche Spross, wählt dann aber fleißig die Grünen, möchte am liebsten Hippie sein, kommt bei politischen Diskussionen aber nicht über Tagesschau-Niveu hinaus und die Neon ist eine Art Leitmedium. Pornos sind entweder Standart oder werden mit einer Distanz betrachtet bei der ich mich ins 19. Jahrhundert zurück versetzt fühle. Manche Mädchen holen sich übergangsweise Linksextreme aufs Zimmer, nur um ihn dann abzusägen, Jura zu studieren und dann mit spießigen Sportstudenten rumzuvögeln (Dieses Prinzip setzt sich dann auch konsequent fort, wenn die Sportstudenten „liebe Papas“ werden. Dann muss wieder ein „Prolet“ her). Apropos „Rumvögeln“: Die bürgerlichen Jungs brechen aus ihrer „langfristigen Beziehungssuche“ gerne aus und wechseln ihre Partnerinnen, meist jüngere „Arbeiter“-Töchter, wie die Schuhe.
Neben diesen Liebesdingen ist der Alltag gefüllt mit machen-machen-machen: Schule, Studium, Arbeit, Putzen, Hobby, Feiern, Schlafen und Ende. Zeit zum Lesen, Denken, Zusammenkommen und Ähnlichem fällt aus. Mit den „großen Dingen“ möchte man nur zu tun haben, wenn sie das Privates berühren. Bloß nicht Denken! Freunde! Familie (Was ist das denn noch, zu Zeiten der Homo-Ehe?)! Der Rest? Egal – so lange darüber nichts im Fernsehen kommt! Man ist vom Volk „emanzipiert“ und „individualisiert“ – „frei“. Wenn irgendwo Nazis blockiert werden, stellt man sich dann an die Seite schwarz-roter Fahnen und Ideen, die die „bürgerliche Gesellschaftsordnung“ überwinden wollen.

Die Forschungsgruppe Wahlen hat nun im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung die deutsche Jugend untersucht und ist zum Schluss gekommen, dass sie bürgerliche und konservative Werte anstrebt. Das finde ich sehr lustig, da – laut der Studie – der Begriff „Konservativ“ bei diesen Leuten doch verpönt ist. Die Welt „wird dynamischer“ und deswegen sucht man sein Heil in einer von der Tradition entkoppelten „traditionellen Familie“.  Dieser Rückzug ins Private hat schon einmal in der deutschen Geschichte stattgefunden. Damals nannte man es „Biedermeier“.

Deswegen würde ich diese Generation „Neo-Biedermeier“ nennen. Diesmal nicht den Fürsten sondern den Firmenchefs zur Freude, weil deren „Untertanen“ ihre „Sklaverei“ als „Leistungsorientierung“ bezeichnen. Die Leserin / der Leser kann sich selbst überzeugen. Hier der Artikel: http://www.welt.de/politik/deutschland/article116946779/So-buergerlich-tickt-die-deutsche-Jugend.html

P.S.: „Du stellst ja das „bürgerliche Leben“ ziemlich schlecht dar, verteidigst es aber auch. Warum?“
Ganz einfach: Ich lebe mit positiven Beispielen zusammen und lehne die Bürgerlichkeit ja in seiner Gesamtheit nicht ab. Im Gegenteil: Deutschland braucht nach fast 100 Jahren pausenloser Revolution (1919, 1933, 1945, 1968, ca. 1980, 1990, 2002) überhaupt eine „Bürgerlichkeit“. Es müsste nur etwas „korrigiert“ werden bzw. den Menschen bewusst gemacht werden, welches Glück (z.B. im Vergleich zu reinen Stammesgesellschaften) sie eigentlich haben und ein „Standesbewusstsein“ (ich nenne es jetzt mal so) her, das entfernt ist von dieser Intoleranz, Blasiertheit und sinnlosen – weil „nur“ privaten – „Leistungsorientierung“. Das sinnstiftende Element der Bürgerlichkeit das auch gemeinschaftlichere Gedanken (Empathie, Glaube/Tradition, Offenheit, Volk)  miteinbezieht, kann wieder wirken, wenn damit gearbeitet werden würde.

Schon wieder die „Achse des Guten“ und auch schon wieder Matussek – aber es muss sein: Matussek hat eine Rezession über das Buch „Gottes Krieger“ von Rodney Stark verfasst in dem er den Inhalt so zusammenfasst, dass ich Lust auf das Buch bekomme. Leider werde ich es nicht lesen können – dazu hängt mir gerade zu viel anderes um die Ohren – aber die Zusammenfassung sprengt wieder den politisch-korrekten Rahmen:

Es greift die Theorie auf, das die Kreuzzüge ein „Urverbrechen“ waren, das bis heute Hass, Gewalt und Mord an Nicht-Muslimen legitimiert. Unter dem Schatten des „Überbaues“ der „White-guilt“ (Fasst alles was Weiße gemacht haben, war und ist irgenwie scheiße.) wird bis heute islamistische Gewalt entschuldigt und selbst von Betroffenen legitimiert. Dabei werden Tatsachen (Die gewaltätige Durchsetzung muslimischer Herrschaftsansprüche über Jahrhunderte hinweg) ignoriert und die Kreuzzügler zu Vorgängenern der SS hochstilisiert, dass der selbsthassende Europäer feuchte Augen vor masochistischer Erregung bekommt…

Gut, für den letzten Satz entschuldige ich mich. Das ist nicht differenziert aber gibt so ziemlich den Eindruck wieder, den ich von einigen Beiträgen im Netz oder Diskussionpartnern bekomme wenn ich mit ihnen über dieses Thema spreche.

Einfach Matusseks (lange) Zusammenfassung lesen und etwas wacher durch die Welt gehen: Auf der Achse.

P.S.: Die tatsächlich unschönen Ereignisse rund um die Kreuzzüge werden nicht (!) geleugnet aber eben nicht unter diesem bestimmten,  allzu revlutionär-liberalen, Blickwinkel verurteilt.

Während das Studium einen einbindet, das Leben gemächlich auf der Straße abläuft, der Himmel strahlend blau und die Sonne ausnahmsweise mal warm vom Himmel glänzt, säuft das Umland laut Nachrichten ab.
Wer aber gerne helfen möchte und kann, verweise ich auf diese Netzwerke, die ich auf Twitter gefunden habe. Natürlich übernehme ich keine Haftung ob Angebot und Nachfrage stimmen aber an sich ist es eine tolle Sache sich so zu organisieren und unbürokratisch zu helfen:

Ergänzung 9. Juni:

Die Leipziger Volkszeitung hat eine gewaltige Sammlung für den mitteldeutschen Raum erstellt – meine ist ein Witz dagegen:

http://blog.lvz-online.de/sammelsurium/2013/06/03/von-menschen-fur-menschen-anlaufstellen-fur-betroffene-und-mogliche-helfer-in-den-sozialen-netzwerken/

Alter Beitrag:

Hochwasser Hilfe – www.hochwasser-hilfe.infoHilfe und Unterkünfte übersichtlich anbieten/suchen.

Hochwasserhilfe 2013 von der Piratenpartei Bayern.
Nach Regionen gegliedert kann man Hilfe anbieten oder eben Hilfgesuche folgen.

Bisher ist die Auswahl spärlich. Das Internet ist eben kein Ersatz für echte Nachbarschaft.
Allen Betroffenen und Helfenden ein  „Glückauf!“.

P.S.: Mancher Politiker (Kaum die die vorort leben! Siehe Welt-Artikel) strahlt wieder durch inszienierte Auftritte und große Versprechungen. Mal sehen, ob das nicht genau so vergeht wie das Hochwasser, während die Schäden bleiben:

Die Nachrichtenagentur AFP lästert über den Auftritt Angela Merkels in Passau. „Gut ein Dutzend Soldaten hat sich am Inn versammelt. In einer halben Stunde kommt die Kanzlerin, ihr Kommandierender gibt den Männern die letzten Befehle. Jeder solle sich Schaufeln besorgen, damit „die geforderten Bilder“ zustande kommen, weist er die Truppe an. Wer auch immer die Bilder eingefordert hat – sie kommen zustande. Merkel mit Soldaten, Merkel mit der Wasserwacht, Merkel mit Hochwassergeschädigten – bei sinkenden Pegelständen gerät ihr Besuch in Passau zur Inszenierung.“

Quelle: Spiegel Online

 

Mit einem wunderbar feinen und für ihn so typisch spitzen Aufsatz haut der Konservative Michael Klonovsky (Debattenresourt bei Focus) die Widersprüchlichkeit der etablierten Politik eben dieser im Bezug auf Einwanderung um die Ohren. Deutlich zeigt er auf das man doch endlich klar machen sollte, das es eben EINwanderer (Migranten) gibt, die Deutsche werden und mit dem der Rest des Volkes kein Problem mehr hat und solche, die das genaue Gegenteil sind („Migranten“):

„Archaisches Machotum, ehrpusselig, dummstolz, arbeitsunwillig, bildungsverachtend, gewaltbereit“

Auszug:

„… Wenn die „Frankfurter Rundschau“ in ihrer online-Ausgabe über den „Gipfel“ schreibt: „Tatsächlich sind Vorurteile gegenüber Zuwanderern und ein manifester Rassismus in Teilen der deutschen Gesellschaft das größte Hemmnis für eine erfolgreiche Integration. Darüber zu sprechen, wäre Aufgabe eines Integrationsgipfels“, dann beweist die Autorin nicht nur ihre Tauglichkeit für jede Art DDR, sondern es liegt auch die Vermutung nahe, dass sie, wie die kinderlose Kanzlerin, zumindest von einer Sorge nicht geplagt wird: dass man sie eines Nachts anruft, damit sie ihren Sohn auf der Intensivstation besucht oder im Leichenschauhaus identifiziert. […]

Frau Merkel hat zwar zu recht an den Anschlag von Solingen erinnert, sie hat sich für die Blutspur des NSU bei den Opfern entschuldigt, doch wie immer findet sie kein Wort für die Blutspur von Komaschlägerbanden und Tottretern muslimischer Abkunft, die sich durch dieses Land zieht und zwischen Solingen und NSU-Prozess weit mehr Menschen das Leben kostete als die schändlichen Anschläge der Neonazis. Es gibt etwas, das mächtiger ist als die vermeintlich mächtigste Frau Europas: die Feigheit, Dinge beim Namen zu nennen, statt sie mit Ignoranz und wohlmeinendem Gerede zuzukleistern.“

Lesen, bitte. Hier: Achse des Guten

Drei Kommentare:

1. Hochwasser

Meine Gedanken sind bei denen, die gerade vor den Fluten stehen und ihre Eigentum sowie ihre Existenz in Gefahr sehen. Innerhalb von 10 Jahren zwei mal so ein Hochwasser ist  krass. Obwohl das komplette Umland gerade absäuft, bekomme ich in meiner Stadt davon noch nichts mit. Irgendwo mithelfen wäre daher noch quatsch, jedoch hoffe ich, das sich Spendenkonten für Flutgeschädigte bilden werden.

2. Verfahren um Mord an Jonny K. unterbrochen

Verhandlungen eingestellt, weil ein Schöffe sich nicht zusammenreißen konnte. Aber wer kann es ihm verübeln? Während die Vorveruteilungen der Täter bei anderen Prozessen selbst durch unsere an hohen ethischen ideologischen Werten interessierten Presse zelebriert wird, herrscht bei diesem Gewaltverbrechen, das durch seine Alltäglichkeit („Es kann jeden treffen.“) schockiert, meist Schweigen im Blätterwald – außer bei der Welt… Dazu kommt wieder eine Justiz, die ohnmächtig erscheint, vor kleinen Hürden scheitert. Wenn man den Ausführungen von Vera Lengsfeld folgt (hier) – die den Prozess  begleitet-, beschleicht einen der Gedanke von der „Kuscheljustiz“. Dass das Verfahren eingestellt wurde, beweist zwar, dass wir in einem Rechtsstaat leben, die Zweifel an seiner  ethischen Verfassung bleiben aber bestehen.

3. Augsteins „Blockupy my brain“ oder „Der Spiegel bringt es nicht mehr… ganz.“

Augstein vergleicht in seiner Kolumne doch tatsächlich den deutschen Polizeieinsatz in Frankfurt mit dem Rumgedresche in Istanbul. Allen Ernstes vergleicht er sogar die Situationen:

[…] Die brutalen Bilder aus Istanbul beschädigen das Image der Türkei als wirtschaftliches Kraftzentrum der Levante. Und die Bilder der mit Pfefferspray schießenden Polizisten aus Frankfurt diskreditieren die gemeinsame europäische Währung, die immer mehr Menschen nicht als verbindendes, sondern als trennendes Element in Europa wahrnehmen.

Ein Staat, der seiner Demonstranten nur mit Gewalt Herr werden kann, verliert vor den Augen der Öffentlichkeit seine Legitimation. Der gewalttätige Staat ist der schwache Staat. In Frankfurt und in Istanbul.

Ich schließe mich hier dem Kommentar von Vergil an, dass ich hier ungekürzt zitiere:

Augstein versucht, ein Bild eines brutalen Polizeistaats zu zeichnen, in dem friedliche Proteste mit brutaler Polizeigewalt unterdrückt werden. Er hängt offenbar sehnsüchtig der 68er-Zeit nach und wünscht sich derlei Zustände wieder herbei: auf der einen Seite der böse, gewalttätige Staat, auf der anderen Seite liebe, friedliche Linke. Aber es gibt diesen brutalen Polizeistaat in Deutschland nicht mehr. Wir haben heutzutage vielmehr Deeskalier-Teams in den Polizeieinheiten, die versuchen, mit der Gegenseite ins Gespräch zu kommen. Die Polizei hält sich zurück, soweit es geht. Ich selbst habe einen Einsatz der Polizei in Göttingen erlebt, bei dem Polizisten einen Demonstrationszug von rechten Chaoten (Nazis) vor linken Chaoten beschützen mussten. Die Polizisten, schwer gepanzert, mussten sich von den Linken nach Strich und Faden verhöhnen lassen. Die Linken rannten ihnen nach, veralberten sie, machten sie nach etc. pp. Und die Polizisten müssen sich all die Schmähungen, Anfeindungen, Verhöhnungen gefallen lassen, denn wenn sie es sich nicht mehr gefallen lassen, gibt es den großen Aufschrei wegen Polizeigewalt. Ich finde es ein starkes Stück, die Abläufe in Istanbul, wo es wirklich brutale Polizeieinsätze gegen friedliche Demonstranten gab, mit den Abläufen in Frankfurt zu vergleichen, wo die Polizei lediglich einige hundert Menschen abgeschirmt hat, die vermummt (vermutlich „Schwarzer Block“) und tw. bewaffnet waren und mit Farbbeuteln auf Polizisten warfen. (Was glauben die Leute eigentlich: Dass man Polizisten ungestraft mit Farbbeuteln bewerfen darf??) Die übrigen zigtausend friedlichen Demonstranten hingegen durften weiterhin demonstrieren! Nebenbei: Was wollten die Blockupy-Leute eigentlich bei der EZB? Was hat die EZB, die ja ständig versucht, den maroden Staaten unter die Arme zu greifen, in den Augen von Blockupy verbrochen?

Es gibt in Deutschland Polizeigewalt aber das ein Staat der auch noch, rechtlich-abgesichert und demokratisch gedeckt, Durchgreifen kann, deswegen gleich „ethisch“ verkommen (Während vermutliche Mörder all zu frei rauskommen.) sein soll, entspricht wohl einer ziemlich verqueren Weltanschauung.

Herr Augstein sollte sich lieber ein Vorbild an Herrn Borcholte nehmen. Der führt nämlich schön auf, wie der neue Film von Will Smith „After Earth“ mit Scientology-Gedankengut durchtränkt ist. Lesen!