Physisches und ethisches Hochwasser in Deutschland

Drei Kommentare:

1. Hochwasser

Meine Gedanken sind bei denen, die gerade vor den Fluten stehen und ihre Eigentum sowie ihre Existenz in Gefahr sehen. Innerhalb von 10 Jahren zwei mal so ein Hochwasser ist  krass. Obwohl das komplette Umland gerade absäuft, bekomme ich in meiner Stadt davon noch nichts mit. Irgendwo mithelfen wäre daher noch quatsch, jedoch hoffe ich, das sich Spendenkonten für Flutgeschädigte bilden werden.

2. Verfahren um Mord an Jonny K. unterbrochen

Verhandlungen eingestellt, weil ein Schöffe sich nicht zusammenreißen konnte. Aber wer kann es ihm verübeln? Während die Vorveruteilungen der Täter bei anderen Prozessen selbst durch unsere an hohen ethischen ideologischen Werten interessierten Presse zelebriert wird, herrscht bei diesem Gewaltverbrechen, das durch seine Alltäglichkeit („Es kann jeden treffen.“) schockiert, meist Schweigen im Blätterwald – außer bei der Welt… Dazu kommt wieder eine Justiz, die ohnmächtig erscheint, vor kleinen Hürden scheitert. Wenn man den Ausführungen von Vera Lengsfeld folgt (hier) – die den Prozess  begleitet-, beschleicht einen der Gedanke von der „Kuscheljustiz“. Dass das Verfahren eingestellt wurde, beweist zwar, dass wir in einem Rechtsstaat leben, die Zweifel an seiner  ethischen Verfassung bleiben aber bestehen.

3. Augsteins „Blockupy my brain“ oder „Der Spiegel bringt es nicht mehr… ganz.“

Augstein vergleicht in seiner Kolumne doch tatsächlich den deutschen Polizeieinsatz in Frankfurt mit dem Rumgedresche in Istanbul. Allen Ernstes vergleicht er sogar die Situationen:

[…] Die brutalen Bilder aus Istanbul beschädigen das Image der Türkei als wirtschaftliches Kraftzentrum der Levante. Und die Bilder der mit Pfefferspray schießenden Polizisten aus Frankfurt diskreditieren die gemeinsame europäische Währung, die immer mehr Menschen nicht als verbindendes, sondern als trennendes Element in Europa wahrnehmen.

Ein Staat, der seiner Demonstranten nur mit Gewalt Herr werden kann, verliert vor den Augen der Öffentlichkeit seine Legitimation. Der gewalttätige Staat ist der schwache Staat. In Frankfurt und in Istanbul.

Ich schließe mich hier dem Kommentar von Vergil an, dass ich hier ungekürzt zitiere:

Augstein versucht, ein Bild eines brutalen Polizeistaats zu zeichnen, in dem friedliche Proteste mit brutaler Polizeigewalt unterdrückt werden. Er hängt offenbar sehnsüchtig der 68er-Zeit nach und wünscht sich derlei Zustände wieder herbei: auf der einen Seite der böse, gewalttätige Staat, auf der anderen Seite liebe, friedliche Linke. Aber es gibt diesen brutalen Polizeistaat in Deutschland nicht mehr. Wir haben heutzutage vielmehr Deeskalier-Teams in den Polizeieinheiten, die versuchen, mit der Gegenseite ins Gespräch zu kommen. Die Polizei hält sich zurück, soweit es geht. Ich selbst habe einen Einsatz der Polizei in Göttingen erlebt, bei dem Polizisten einen Demonstrationszug von rechten Chaoten (Nazis) vor linken Chaoten beschützen mussten. Die Polizisten, schwer gepanzert, mussten sich von den Linken nach Strich und Faden verhöhnen lassen. Die Linken rannten ihnen nach, veralberten sie, machten sie nach etc. pp. Und die Polizisten müssen sich all die Schmähungen, Anfeindungen, Verhöhnungen gefallen lassen, denn wenn sie es sich nicht mehr gefallen lassen, gibt es den großen Aufschrei wegen Polizeigewalt. Ich finde es ein starkes Stück, die Abläufe in Istanbul, wo es wirklich brutale Polizeieinsätze gegen friedliche Demonstranten gab, mit den Abläufen in Frankfurt zu vergleichen, wo die Polizei lediglich einige hundert Menschen abgeschirmt hat, die vermummt (vermutlich „Schwarzer Block“) und tw. bewaffnet waren und mit Farbbeuteln auf Polizisten warfen. (Was glauben die Leute eigentlich: Dass man Polizisten ungestraft mit Farbbeuteln bewerfen darf??) Die übrigen zigtausend friedlichen Demonstranten hingegen durften weiterhin demonstrieren! Nebenbei: Was wollten die Blockupy-Leute eigentlich bei der EZB? Was hat die EZB, die ja ständig versucht, den maroden Staaten unter die Arme zu greifen, in den Augen von Blockupy verbrochen?

Es gibt in Deutschland Polizeigewalt aber das ein Staat der auch noch, rechtlich-abgesichert und demokratisch gedeckt, Durchgreifen kann, deswegen gleich „ethisch“ verkommen (Während vermutliche Mörder all zu frei rauskommen.) sein soll, entspricht wohl einer ziemlich verqueren Weltanschauung.

Herr Augstein sollte sich lieber ein Vorbild an Herrn Borcholte nehmen. Der führt nämlich schön auf, wie der neue Film von Will Smith „After Earth“ mit Scientology-Gedankengut durchtränkt ist. Lesen!

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