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Archiv für den Monat August 2013

Im aktuellen Spiegel (34/2013, S. 106 ff.) findet sich ein Interview mit dem Philosophen Rainer Forst der als „wichtigster deutscher Philosoph seiner Generation“ bezeichnet wird, der „die Tradition der Frankfurter Schule mit neuen Akzenten“ fortsetzt und auch noch ein Schüler Habermas ist. Sein Fachgebiet soll „Gerechtigkeit“ sein, weswegen sich der Spiegel mit ihm genau darüber unterhalten hat.

Das Ergebnis entspricht dem Marx’schen Credo von „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf an, sie zu verändern“ und erscheint als reiner Ausrede-Überbau für plump-revolutionäre Umtriebe. Während die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte noch überzeugt, wird es dann bei konkreten Fällen und politischen Forderungen dann schon plump und er genügt seinen eigenen Gerechtigkeitsansprüchen nicht mehr, wie ich finde.

Gerechtigkeit ist für ihn eine Machtfrage, eine Ordnung die keine Gleichheit – ich verkürze hier seine Aussagen – produziert und diese Verteilung nicht rechtfertigen kann, ist ungerecht und kann abgelöst werden. Zur Gerechtigkeit gehört daher, dass der einzelne Mensch die Freiheit hat, die Rechtfertigung einzufordern. Das ist zustimmungswürdig aber als der Redakteur des Spiegels dann fragt:

„… Ist die finanzielle Hilfe für Griechenland und andere verschuldete EU-Staaten eine Frage der Gerechtigkeit?“

Kommt als Antwort das:
„Die Europäische Union ist eine politische Gemeinschaft, die darauf beruht, dass Vor- und Nachteile, die aus dieser Vergemeinschaftung folgen, von allen akzeptiert und geteilt werden. Wenn eine Gesellschaft wie die deutsche so stark von dem Gesamtsystem profitiert hat, folgt daraus schon nach dem Prinzip der Fairness die Verpflichtung zur Solidarität. Mir ist es sehr zuwider, dass die EU in dem Moment, in dem es eine echte Herausforderung für ein gemeinsames europäisches Gerechtigkeits- und Solidaritätsverständnis gibt, in nationales Denken zurückfällt. Es bedarf neuer Formen demokratischer Politik. Technokratisches Ergebnispolitik reicht nicht aus.“

Hier also wieder die alte Forderung nach einem „demokratischeren Europa“ aber bitte ohne Nationalstaaten.
Wo ist jetzt die Freiheit geblieben, von der EU die Rechtfertigung für die angestrebten Veränderungen verlangen zu dürfen? Dürfen wir als Bürger eines Nationalstaates das nicht fordern, weil der Rahmen der „Nation“ etwas ist auf den man nur „zurückfallen“ kann, wie Herr Forst meint? Deutschland hat von der EU profitiert aber eben auch sehr viel an Geld, Zeit und Handlungsspielraum hineingeben und aus „Gründen der Fairness“ (Und da kommt schon das nächste Problem wenn man mit der Sprache nicht mehr richtig umgeht:  „Fairness“ bedeutet am Ende nichts anderes als „Gerechtigkeit“) wäre es nur richtig zu sagen, das die anderen Profiteure jetzt auch Deutschland verpflichtet sind und eben ihre Staatshaushalte klären müssen.

Nun, das war nur der erste Punkt. Bei der Frauenquote meint Herr Forst dann, das Kritik an der Frauenquote als „unfaire Bevorzugung“ (Schon wieder dieses „faire“!) nicht „gerecht“ ist, weil ja die Quote eine strukturelle Ungleichheit aufbricht und  die bisher Bevorteilten ihr „Privilegiensystem“ mit Recht verlieren, weil sie sonst ja die Ungerechtigkeit erhalten hätten. Dieses Argument endet er dann mit: „Auch wenn wir uns in der Praxis oft mit kleinen Schritten begnügen müssen, dürfen wir doch im Denken nicht die Gerechtigkeit ihrer Radikalität berauben.“ Erneut werden hier politisch Forderungen mit einer wissenschaftlich-philosophischen Erkenntnis begründet, da für die Forderung lediglich noch eine Begründung in diesem Rahmen gefehlt hat.

Auch hier wieder die Inkonsequenz im Denken: Er lässt hier erneut die Frage unter die Tisch fallen, warum diese Ungleichheit gerechtfertigt sein könnte und bricht damit wieder mit seinem im Interview aufgestellten Prinzip das eine gerechte Ordnung vor allem von der Rechtfertigung lebt.

Wenn man das zusammenfasst, kommt dabei wieder eine Philosophie und noch genauer eine Weltanschauung heraus, die jedem dahergekommenen Straßenkämpfer der irgendwo eine höchst subjektive „Ungleichheit“ wahrnimmt, die Möglichkeit gibt, zum absoluten Menschheitsverbrechen aufschaukeln und damit langsam aber sicher Begriffe wie Demokratie und Gerechtigkeit in den Dienst einer zunehmend willkürlichen Emanzipation stellt, anstatt Ordnungen (oder andere Herangehensweisen an Gerechtigkeit) auch mal anzuerkennen. „Gerechtigkeit“ wird zur Worthülse, zur Ausrede für sein poltisches Engagement, was eigentlich nicht mehr ist als Herausgeschreie von persönlichen Unzufriedenheiten, anstatt eines wirklichen Strebens nach einer Verbesserung. Die Gerechtigkeit wird zu einer Gerechtigkeit ohne Freiheit, weil sie radikal mit allem aufräumen möchte, was  in ihrem Sinne nicht gerecht zu sein scheint. Gerechtigkeit kann dadurch der Radikalität wegen, radikal werden und nicht um gerechter zu sein. Radikalität kann blind machen, weswegen sie nicht zur Rechtfertigung von Gerechtigkeit taugen kann.

„Es wäre ein ebensolcher anmaßlicher Unfug, wenn ein Universitätslehrer sich unterfangen würde, z.B. die ‚Berechtigung‘ irgendwelcher sozialer Forderungen zu ‚beweisen‘, wie wenn er ihre ‚Nichtberechtigung‘ mit den Mitteln der Wissenschaft ‚nachweisen‘ wolle.‘“

Max Weber, 1908

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Diversity Bukakke

Eine persönliche Polemik wie manche Diversity-Ansätze bei mir ankommen.

Diskriminierungsstudie! Erneut gab es eine Studie – diesmal von höchststaatlicher Stelle: der Antidiskriminierungsstelle des Bundes – in der einige (!) Mitglieder sog. Minderheiten darüber klagen können wie sehr sie doch „diskriminiert“ werden.

Ehrlichkeit und Respekt sind elementare Grundsätze für die Jungdeutschen und die fühle ich in diesem Fall erneut massiv verletzt. Weswegen ich jetzt diese üble Polemik veröffentliche, die mir im Anschluss an eine Veranstaltung einfiel in der es eben um sexuelle Identitäten ging, am Ende aber doch wieder nur ein riesiges „Diversity“ auf einem rosa Hintergrund an der Wand prangte. Das es Ausgrenzung und Abwertung in unserer Gesellschaft gibt, kann nicht geleugnet und gar für gut geheisen werden aber wenn „Diversität“ bedeutet, das der Spieß jetzt einfach nur umgedreht wird – was auf besonders hinterfotzige Weise bei dieser Veranstaltung klar gemacht wurde – sollte das Projekt beendet werden bevor es richtig in Fahrt gekommen ist (Passiert leider nicht sondern wird unter dem Begriff „inklusive Gesellschaft“ noch enthemmter geplant). Hier also die Polemik eines Mitgliedes der bösen sogenannten „Mehrheitsgesellschaft“, wie er den propagandierten Diversitiy-Ansatz empfindet. Wer krasse, sexuelle Anspielungen nicht lesen kann, ist hiermit gewarnt, denn es folgen eine Menge davon.

Ein Haufen Anghöriger mancher  Minderheiten möchte seine „Diversität“ ausleben. Dafür brauchen sie aber doch ein Objekt, eine Projektstionsfläche für ihre „Vielfalt“, eine „Wichsvorlage“ an der sie sich reizen können, die sie „bunter“ machen und ihre Diversität „ausleben“ können. Der Begriff ist ein krasses Bild für die Haltung im Diversitätstheorie, das die vielen Minderheiten beachtet werden müssen und ihre „Eigenart“ ausleben sollen / dürfen / müssen, während das vorherige „Normale“, die „Mehrheit“, „auf die Knie“ gezwungen wird um als Basis der Diversität zu dienen aber ansonsten keine besondere „Stellung“ einnimmt.

Als Diversitiy Bukakke kann man Veranstaltungen (ja eigentlich ganze Strömungen innerhalb dieser Bewegung) bezeichnen. Jede Gruppe (vertreten durch sog. Experten und Aktivist*innen) übt dabei Selbstbefriedigung aus und „spritzt“ dabei mit ihrem Thema über Germania / Deutschland / das deutsche Volk. Deutschland ist lediglich „Objekt“ auf das die Ausdrucksformen der  Diversität, der Vielfalt, der Buntheit – also „das Sperma“ jeder Gruppe – „aufgetragen“ wird, bis es darunter verschwindet. Deutschland darf dabei höchstens assistieren aber sich nicht wehren, geschweigene denn fordern. Und das obwohl sie doch im Zentrum steht. Zurück bleibt eine befriedigte Gruppe von Minderheiten, die auf ihre „Schöpfung“ stolz ist. Diese Wichser.

Es ist kein Liebesspiel, kein richtiger Geschlechtsakt und erst recht eben keine Liebe dabei, sondern einfach nur das stillen persönlicher Gelüste. Es ist nur Selbstbefriedigung vieler Minderheiten. Eine Gruppenvergewaltigung. Kein „interkultureller Austausch“, keine Harmonie zwischen den Geschlechtern und kein Ausgleich zwischen sexuellen Identitäten.  Austausch zwischen Kulturen können „echte“ Beziehungen sein“, „echte Liebe“ und „echter Sex“ aber nicht dieses oberflächliche, gewalttätige und arrogante Rumgewichse auf eine Person. Dabei entstehen keine „Kinder“, die Deutschen wären so ein „Kind“ – hervorgegangen aus römisch-germanischer Mischung (im Staatsverständnis) und den vielen anderen Stämmen in Europa (im biologischen Sinne). Man übernimmt Wissen, Eigenschaften und hat gemeinsame Kinder. Einen gemeinsamen „Körper“ und nicht nur das abstrakte Prickeln dieser Gruppenvergewaltigung. Der „Körper“ ist anschaulich und konkret, nicht so abstrakt und pervers wie dieses „Bukakke“.  [Was ist mit Multi-Kulti-Kindern? Die bleiben häufig in der fremden Identität.]

Dieses Bild ist dreckig aber notwendig.  Selbst wenn man vorher Unrecht erlitten hat, gibt einem das nicht das Recht Unrecht zu tun.  Und dieses „Anwichsen“ ist unrecht. Die bösen „Rechtsextremen“ braucht es da schon gar nicht mehr, wer für dieses „Diversitäts-Bukakke“ als Wichsvorlage dienen muss, wehrt sich von ganz alleine oder findet es schlußendlich sogar noch geil. Und was passiert wenn die „Projektionsfläche“ Deutschland nicht mehr reizvoll ist?  Man wird eine neue Wichsvorlage finden…

P.S.:
Der Nationalsozialismus wäre in diesem Gleichnisschema eine „inzestiöse, sadomasochistische Vergewaltigung“ gewesen.

Nach gefühlten Jahrzehnten hat es Kollege märzkämpfer geschafft, mal wieder einen Artikel zu schreiben und zu veröffentlichen. Zum Glück! Es geht um den Begriff und die „Rolle“ von Entartung in einem Volk und einer Gesellschaft…

Die Jungdeutschen

Denkanstoe¯e„Entartete Kultur“ – so charakterisierte Kardinal Meißner 2007 den unfruchtbaren Zustand modernen Kunstlebens. Sofort schallten die Alarmglocken der öffentlichen Meinung, die reflexartig den Bannfluch über die vermeintliche Nazivokabel aktualisierte. Ent-artung – was soviel meint wie „aus der Art schlagen“ – wurde tatsächlich von dem nationaljüdischen Arzt Max Nordau geprägt, und zwar im Rahmen einer Semantik, die bewusst das physiologische und kulturelle Feld miteinander verschränkte. Er transferierte die ursprünglich medizinische Vokabel auf kulturell-künstlerische Phänomene, um vor einer für die Menschheit ungesunden Kulturentwicklung zu warnen. Unter anderem geriet Friedrich Nietzsche unter Nordaus Entartungsverdikt. Der Philosoph, der sich selbst als „Arzt der Kultur“ verstand, hatte nicht zuletzt selbst von einer „Degenereszenz der Instinkte“ als einer Ursache kultureller décadence gesprochen und empfahl den Übermenschen als Remedur zugunsten einer „Höherzüchtung der Menschheit“. Es sieht so aus, als könne man eine Kontinuität zu eugenischen Programmen und Sozialhygienemaßnahmen herstellen, die im 20. Jahrhundert verhängnisvolle Folgen zeitigen…

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