„Verleumdung“ der AfD nach der Bundestagswahl?

Schon eine Woche her aber immer noch aktuell: Am Wahltag sprach Herr Lucke von „Entartung“ der Demokratie und des Parlamentarismus und auf der AfD-Facebook-Seite wurde ein Foto gezeigt mit dem Spruch „Danke, Bernd“ vor dem Foto des Sprechers mit grüßenden rechten Arm.

Das Ergebnis ist das hemmungslose In-Bezug-Setzen der AfD zur NPD und noch mehr der NSDAP.

Viel wurde wieder darüber geschrieben, deswegen möchte ich nur noch anmerken, dass hier ein Grundzug im politischen System wieder deutlich wird, der mir Bauchschmerzen bereitet: dieses Ewiggestrige d.h. das stumpfe und bewusste Festhalten an der NS-Sprache als Werkzeug der Diffamierung.

Vertreter der etablierten Parteien und Medien „feierten“ die Entartungs-Äußerung von Lucke mit den üblichen Floskel á la „Das haben die Nazis auch gemacht“. Mittlerweile sind im Netz aber schon massenweise Zitate von Schäuble bis Helmut Schmidt und anderen Etablierten aufgetaucht, in denen ebenfalls von Entartung gesprochen wird.
Zum Begriff Entartung und seiner vielseitigen Bedeutung – auch im gesellschafts-politischen Kontext –  empfehle ich den Artikel von Kollegen märzkämpfer.

Die andere Sache mit dem Bild ist in so fern schade, dass der Facebook-Verantwortliche der AfD das Bild schon gelöscht hat. Das kommt schon fast einem Schuldeingeständnis gleich.
Allerdings geriet dieser Versuch zur Diffamierung wohl zu platt: Kopfschütteln in vielen Fällen, im Netz und darüber hinhaue. Wenn Herr Lobo davon spricht, dass „das Bild […] mustergültig für rechtspopulistische Kommunikation im Netz stehen [kann]. Dabei wird durch Andeutungen und unterschwellige Hinweise ein Graubereich geschaffen, den die Anhänger nach ihrem Geschmack ergänzen und ausdeuten.“ mag das im ein oder anderen Fall stimmen, kann sich aber eben auch als paranoid und „verschwörungstheoretisch“ anhören.

Die Etablierten (in Politik und Medien) haben leichtes Spiel mit der „Nazi-Keule“ unliebsame Konkurrenz mit vermeidlich oder tatsächlich „rechten“ Positionen aus dem Weg zu räumen, wie früher – im Kaiserreich – „der Sozialist“ in manchen Kreisen eine Unverschämtheit war. Ich befürchte, dass dadurch nicht nur das demokratische, eben nicht rein „linke“, System leidet sondern auch der Kampf gegen die wirklich Extremisten abstumpft, da man ja mit „Kanonen auf Spatzen“ schießt und diese Kanonen dann im wirklich Kampf fehlen.

Ein dritter Punkt ist, dass in letzter Zeit auch immer wieder Kommentare von AfD-Anhängern herangezogen werden, um der ganzen Partei eine „rechte“ (d.h. im Sinne des Durchschnitts-Deutschen „rechtsextreme“) Gesinnung zu geben. Vermieden wird, die differenzierten Antworten und (aber eben nicht rein „linken“) Diskussionen anzusprechen, die auch stattfinden. Amüsant ist auch, dass das Internet „Troll-Land“ ist, man also nicht jeden Spinner und jedes Arschloch (Ich erinnere daran: Ich habe für diese Begriff eine genaue Definition im politischen Sinn) ernst nehmen kann. Auf der Facebook-Seite von verschiedenen Organisationen „linker“ bzw. etablierter  Parteien finden sich auch diverse Äußerungen jenseits des guten Geschmacks und Anstandes. Und das sind Parteien die schon lange existieren…

Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: