Gedanken zur Flüchtlingssitutation im Mittelmeerraum oder zur Festung Europa

Seit einigen Tagen gehen Kommentare und Berichte durch die Medien, die sich dem Fall mehrerer ertrunkener Menschen im Mittelmeer vor Lampedusa angenommen haben. Jetzt sind auch die ersten politischen Forderungen von Nichtregierungsorganisationen und Parteien aufgetaucht: Die „Festung Europa“ sei zu öffnen, um dem großen Sterben (mehrere tausend Alte, Männer, Frauen und Kinder pro Jahr) im Mittelmeer gegenzusteuern. Zum anderen werden diese Forderungen zurückgewiesen und eine Konzentration auf die Bekämpfung von Schleuserkriminalität gefordert. Dabei wird eine hochgradig emotionalisierte Berichterstattung betrieben und die richtige, weitverbreitete Anteilnahme an den Opfer des Unglücks, in die Richtung gedrängt, die „Tore weiter zu öffnen“. Mit dieser Stoßrichtung und einigen Forderungen bin ich nicht einverstanden. Damit nicht deswegen nun wieder nur eine Meinung – die etablierte – im öffentlichen Raum herumschwabbt, hier noch meine Gedanken dazu. Wohlgemerkt: Gedanken, nicht grundsätzliche Ausführungen.

1. So schlimm und grausig die Sache ist: Mir (als Teil der europäischen Bevölkerung) die Schuld zuzuweisen ist absurd. Es war der Entschluss  dieser Menschen diese wahnsinnige Überfahrt zu wagen. Sie tragen damit auch die riesigen Risiken. Wie stellen sich die Menschen das denn vor wenn sie „Rübermachen“? Sie geben zweilichten Gestalten Geld, lassen ihre Volksgenossen im Stich denen es ähnlich schlecht geht wie ihnen (was oft verständlich ist, da es „Volksg.“ dort nicht gibt) und wandern eben nicht legal aus, sondern drängen sich uns auf in dem sie sich von Verbrechern in eine bewusst gefährliche Lage setzen lassen und unsere Menschlichkeit herausfordern. Der „Flüchtling“ wird hier zum Erpresser, die Gnadengeste der Flüchtlingsfürsorge wird hier grob missbraucht. Die christliche Nächstenliebe und humanitäre Maßstäbe halten mich an, das mir das nicht egal ist aber ich bin auch nicht so unvernünftig die „Vielgestalt des Teufels“ in diesem Sachverhalt zu erkennen. Und wenn der Papst sagt, dass wir etwas gegen die „Kultur der Gleichgültig“ tun sollen, dann erinnere ich an den Grundsatz: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ In diesem Verständnis hapert es in Europa, da wir ihn zu sehr im weltlichen „Ersatz“ von kollektiver Selbstverachtung („White guilt“) oder Hedonismus ersaufen lassen, wie den afrikanischen „Flüchtling“. Davon abgesehen mühen sich betroffene Anwohner, Organisationen und staatliche Hilfstellen diesen Armen zu helfen. Was mich zum zweiten Punkt bringt.

2. Wir sollen mehr „Flüchtlinge“ aufnehmen? Wie viele sollen es denn sein? 10.000, 50.000 oder doch 1. Millionen? Afrika ist ein Hort von unzähligen Konflikten, Kriegen, Seuchenherden, Katastrophengebieten und Elendszonen… Viele Gründe zu fliehen, wie einst viele Europäer auch vor einigen Jahrunderten. Genauso ist es ein Ort, alter Kulturen, stolzer Völker, vieler Heimaten, bezaubenderer Landschaften und großer Lebensräume. Im Angesicht einer wachsenden Bevölkerung,  auch ein Heim vieler Zukunften. Es mutet lächerlich und nicht nachhaltig an, wenn wir jetzt den „Hilfe-Erpressern“ und Schleuserbanden noch mehr Anlässe geben, verzweifelte Menschen aus ihren angestammten Lebensräumen zu reißen und in ein überbevölkertes aber aussterbendes Europa zu setzen und damit nicht nur Hoffnungen sondern auch Enttäuschungen und neues Elend zu improtieren. Die Reihe von Menschen die Hilfe in Anspruch nehmen können soll, wenn es nach den aktuellen Forderungen geht, würde nie abreißen und wohl auch zunehmen.  In der Realität funktioniert es eben nicht wie im Propaganda-Film „Elysium“ suggeriert: System ändern, Menschen wird geholfen und alles wird gut.
In weiten Teilen der afrikanischen Völker hält sich die Vorstellung, in Europa falle der Wohlstand vom Himmel, wie sich in europäischen Völkern die Grundannahme hält, Afrika wäre ein einziges „Shit-hole“ – was beides grundfalsch ist.
Es hilft nichts, das Lösungsraster engt sich ein: Es sollte sich darauf konzentriert werden, dass Afrika zu dem lebenswerten Ort wird, der er sein kann. In diese Richtungen sind alle Anstrengungen zu lenken. Hier kann Europa auch wirklich seinen Teil leisten, in dem es die ausbeuterischen, korrumpierenden Griffel aus den Wunden im Körper Afrikas mit samt ihren europäischen und anders verorteten Wurzeln auslöscht. Auf umfassende und konsequente Weise: beim geistlosen Konsumenten, genauso wie bei der kapitalgeilen Firma. Anstatt nur „Nothilfe – die mit „weißer Schuld“ erzwungen/begründet wird – zu leisten, ist die Befähigung der afrikanischen Völker zu fördern, im Verbund von Tradition und Moderne ihren Lebensraum  besser erschließen zu können.  Anstatt nur die Wucherung zu bekämpfen, gleich ans Zentrum: nicht das Flüchtlingswesen fördern, sondern die afrikanischen Menschen, die dann eben nicht in Europa hängen bleiben und sich in einer pseudo-kosmopolitischen Scheinwelt arrangieren, sondern heimkehren: zum Heil ihrer Vaterländer und ihres Kontinents. (Einwanderung und Asyl wird es weiter geben.)  Das wäre gelebte Völkergemeinschaft mit Symbolcharakter für die Welt.

Die Erde lässt sich auch im Sinne gemeinsamer Anerkennung gestalten und als Heimat der menschlichen Spezies begreifen und be_leben. Die Einschmelzung Europas oder anderer Kulturkreise in einem Weltstaat ist dafür nicht notwendig.

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