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Archiv für den Monat Januar 2014

Jan Fleischhauer hat vor einiger Zeit dem Magazin NovoArgumente  ein Interview gegeben, dem man anmerkt, dass er in einer priviligierten Stelle untergebracht ist aber trotzdem wichtige Tips für „die da draußen“ hat:

[…] Was steckt hinter diesem Phantasma, das ja durchaus auch verschwörungstheoretische Züge trägt?
[Jan Fleischhauer, Anm. cundar] Das ist gewissermaßen das Spiegelbild zu den Bilderberger-Konferenzen, wo die Mächtigen zusammensitzen und unsere Geschicke bestimmen. Hier soll es nun die Elite linker Meinungsdiktatoren sein, die jeden vernünftigen Geist aus dem öffentlichen Diskurs zu eliminieren versucht. Solche Verschwörungstheorien machen sich immer gut, um vom eigenen Versagen abzulenken. Ist man, wie ich, gegen die Opferfigur auf der Linken, also gegen die Art, sich als Mitglied einer Minderheit darzustellen und daraus bestimmte Rechte und Rücksichtnahmen abzuleiten, kann man auf der anderen Seite nicht hingehen und genau das für sich verlangen. Indem sich die Konservativen in die Rolle des Opfers und der Ohnmacht einfinden – die übrigens wahnsinnig unsexy ist –, machen sie sich zum Spiegelbild dieser Art linker Minderheitendiskurse.
Die Frage ist nun, welchen Mehrwert man sich davon verspricht. Ein Mehrwert liegt offenkundig darin, dass man innerhalb der öffentlichen Debatte Anteilnahme findet. Wenn jemand seine Schicksalsgeschichte ausbreitet, dann sind wir darauf trainiert, erst mal ergriffen zuzuhören. Das funktioniert bei Sarrazin genauso. Er darf sich endlos darüber ausbreiten, was ihm angeblich alles Schlimmes widerfahren ist und das Publikum lauscht andächtig. Der zweite Mehrwert ist die Schuldverlagerung. Nichts ist entlastender als die Annahme, dass man für das eigene Unglück nicht selber die Verantwortung trägt. Wenn Sie zum Beispiel kein Gehör finden oder nicht publiziert werden, dann liegt das dieser Entlastungsstrategie zufolge nicht mehr daran, dass Sie vielleicht Ihre Gedanken nicht klar zu Papier bringen können oder einfach langweilig sind. Nein, es ist das linke Meinungskartell, das Ihren Auftritt vor der Öffentlichkeit sabotiert. Das ist genau die gleiche Figur, wie sie auf der Linken umgekehrt funktioniert. Da ist es dann eben das Patriarchat oder das System, das Sie daran gehindert hat, Ihre Wünsche und Hoffnungen, die Sie für ihr Leben hatten, zu erfüllen. […]

Ja, schrecklich „unsexy“ ist die Opferrolle, das Verstecken hinter einem „die anderen sind schuld“. Das es tatsächlich eine leicht gesteuerte Dynamik gibt, die bestimmte Meinungen recht schnell aus dem öffentlichen Diskurs herauskatapultiert, sollte aber auch Herr Fleischhauer erkennen aber – wie gesagt – hier meine ich feststellen zu können, dass er da etwas im Elfenbeinturm gefangen ist. Nichts desto trotz ist seine Feststellung recht erfrischend und manchen mir bekannten Bloggern nur zu empfehlen.

Nun, von mir gab es hier lange nichts mehr zu sehen. Durch Zufall bin ich über eine kleine (satirische) Typisierung von Atheisten gestolpert, bei der mir ob dieser Treffsicherkeit (u.a. die Zeichnungen!) ein bisschen das Herz aufgegangen ist, dass ich sie hier gleich weiterverbreiten möchte.
So gesehen, wünsche ich allen Lesern einen beschwingten Start in ein gesegnetes Jahr 2014!

Gardinenpredigerin

Bitte erst die Einleitung lesen. Wir wollen ja keine Verletzten!

Apologetik gehört zu meinen Lieblingsspielen. Und dazu kam es nicht ganz freiwillig. Bereits in der Schule wurde ich mit diversen Argumenten, bis hin zu Bileidigungen konfrontiert. Ich ging auf eine Schule in der Stadt mit ausschließlich gut situierten Mitschülern aus Elternhäusern, die sich wahnsinnig gebildet vorkamen, und diese waren der Meinung, dass ich DRINGEND über die schrecklichen Begleiterscheinungen von Religion und besonders Katholizismus aufgeklärt werden müsse.

Ich bringe auf diesem Gebiet also eine gewisse Übung mit. Im Laufe der Zeit lernte ich, dass Angriff eine der besten Verteidigungen ist, da sich die meisten Kritiker als Vertreter eines gesellschaftlichen Consens und paradoxerweise zeitgleich unheimlich subversiv fühlten. Einerseits dachten sie, ihr Standpunkt sei für einen intelligenten Menschen sofort logisch ersichtlich und der einzig Vernünftige, andererseits hielten sie sich für unfassbar originell. Es kommt in jedem Fall überraschend für sie, wenn man sich…

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