Zur Wortwahl in Akif Pirinccis „Deutschland von Sinnen“

Zur Wortwahl in Akif Pirinccis „Deutschland von Sinnen“

Akif Pirincci hat ein Sachbuch geschrieben in der er den „irre[n] Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“ kritisiert, vielmehr schlicht beschimpft. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, wohl aber die zahlreichen Rezessionen und Verrisse. Mittlerweile hat er wahrscheinlich Sarrazin als Hassobjekt bestimmter „progressiver-emanzipatorischer“ Kreise überholt. Immerhin sind seine Behauptungen, Ausführungen und Thesen direkter –  und unwissenschaftlicher – als die von Sarrazin und von der Wortwahl grob vulgär. „Ausgezeichnet“ wurde er unter anderem mit den „Titeln“: (Brutalo-) Rechter, Menschenverachter, Rechtspopulist, Hetzer und – Hurra, Königsklasse! – einem Hitler-Vergleich.

Die Verwendung einer solch krass-ungezogenen und unerhörten Sprache stößt – auch mich – ab. Das aber jetzt vor allem seine Kritiker und Gegner diese verwendete Wortwahl als Zeichen der Verkommenheit dieses Werkes deuten, finde ich ausgesprochen amüsant. Natürlich, jeder daher gelaufene Pöbel kann gegen einen Gegner fleißig und hemmenungslos vom Leder ziehen. Darin liegt keine Kunst. Aber in den vergangen Schriften von Herrn Pirinccis waren die Wörter, die sich leider häufig im von mir absolut abgelehnten PI-News-Vocabular (z.B. „linksversifft“) finden lassen, wohl platziert – in einem provokanten Sinne. Denn wer schon einmal in den Kommentaren von z.B. queer.de, linksunten, publikative oder auch SZ und Zeit-Online gelesen hat, konnte auch dort auf schärfste Verunglimpfungen derer die einem „progressiven-emanzipatorischen“ (also diesem ganzen dekonstrutivistischen) Heilversprechen kritisch bis ablehnend gegenüberstehen antreffen. Und auch auf Demonstrationen und mit Liedbeiträgen wird der Andersgesinnte in beeindruckender Kreativität entmenschlicht oder verunglimpft. Beispiel: „Christen fisten!“ etc. Mit „Andersgesinnten“ meine ich jetzt nicht den Nationalen-Widerständler der davon schwadroniert das „Neger, Homosexuelle und Juden keine Menschen sein und ruhig weggesperrt und vergast werden können“ sondern den der, obwohl er unser System nicht ablehnt, unter einen der Gummibegriffe wie Sexismus, Rassismus sowie Homophobie usw. fällt und damit seine Weltanschauung als „Kackscheise“ bezeichnet sehen darf, sein Glauben als „Kinderfickersekte“ rechtlich abgesichert stigmatisiert wird und er persönlich als „Dummer“ benannt wird.  Haben nicht die „progressiven-emanzipatorischen Kräfte“ den Einsatz aller Körpersäfte und Vulgaritäten als Kunst und öffentliches Gut gefeiert?

Akif Pirincci spiegelt das, gibt das zurück. Bei ihm geht es nicht um (freizeit-)wissenschaftliche Thesen wie bei Sarrazin, sondern um das Empfinden. Aber auch nicht das stumpfe Empfinden, wie man bei der Besprechung des Buches auf SZ-online lesen kann, sondern auch das Differenzierte. Was ich bisher lesen konnte schlägt nämlich gerade in den leisen Tönen einen überraschend differenzierten Ton an. Den Zorn, den Schmutz und Eiter der aus vielen Kanälen auf Deutschland und das deutsche Volk, die verhassten „deutschen Zustände“, ausgekippt wurde wird nun als gesammeltes Werk an den Absender zurückgeschickt. Und siehe da, diesem schmeckt die eigene Medizin nicht.

Nein, dieses Werk hilft nicht Probleme zu lösen aber es bestimmt die Lage und den Zustand der Debattenkultur noch weiter. Allen habermaschen Bemühen zum trotz, waren an deren Vergiftung waren nicht nur die Konservativen (Bild!) schuld.

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