Filmkritik: Die Männer der Emden

Wie vor einem Jahr angekündigt, habe ich mir jetzt die „Männer der Emden“ (Trailer auf YouTube) angesehen und habe festgestellt, dass auch niedrige Erwartungen enttäuscht werden können. In der Kritik werden wohl hin und wieder Schlüsselpunkte der Handlung vor weg genommen (Spoiler).

Die Geschichte eines Landungstrupps der mit ansehen muss, wie sein Schiff versenkt wird und anschließend am Anfang des ersten Weltkrieges durch die halbe Welt reist, um zurück ins deutsche Reich zu kommen ist wie gemacht für eine Verfilmung. Exotische Schauplätze, spannder Zeitpunkt und Hintergrund… Man stelle sich vor es hätte sich um einen amerikansichen Zerstörer gehandelt, die Welt wäre voll von Verfilmungen. Nun kam 2013 eine deutsche Verfilmung ins Kino, die ungeschnitten fast drei Stunden dauert.

Doch so weit ich mich erinnern kann, lief dieser Kinofilm in keinem der Kinos der zwei Städte in denen ich mich meistens aufhalte. Die Kritiken waren gemischt. Als er nun letztens endlich im Fernsehen kam, schlug ich endlich zu. Ab der zweiten Hälfte des Films dann mit einer halben Flasche Rotwein im Blut, um es besser ertragen zu können.

Denn auf der einen Seite gehört den „Erzeugern“ dieses Films Anerkennung und Respekt, das sie sich der Thematik und Umsetzung angenommen haben, gerade heutzutage wo solche Filme all zu leicht unseren Hobby-Tschekisten zum Anlass dienen gegen den „wiederkommenden deutschen Militarismus“ zu agitieren. Was auch falsch wäre, denn obwohl es ein Kriegsfilm ist, wird die zivile gesellschaftliche Entwicklung der Zeit mitbeleuchtet. Was sich nach einer guten Idee anhört, wird so geschildert: Während die Soldaten versuchen Heim ins Reich zu kommen, fliehen deutsche Kolonisten (Die Familie der mit einem Offizier der Emden Verlobten) aus Tsingtau ebenfalls durch die halbe Welt und erleben eine von Europäern kontrollierte aber langsam auseinanderstrebende Zivilisation. Doch wie haben Filmacher die Idee umgesetzt? IM ROSAMUNDE-PILCHER-STIL!!!11

Damit sind wir bei der „anderen Seite“: Diese 08/15 „bürgerlicher Offizier liebt adeliges Fräulein, das dann auch noch zwischen zwei Männern entscheiden muss“ Liebesgeschichte ist gänzlich erfunden. Neben dem Effekt, dass man die zivilen Seiten sehen konnte, wurden hier langatmig die verschiedenen Stationen der Flucht abgeklappert, bei der man sich dachte „Macht hin! Ich will sehen wie es mit den Männern der Emden weitergeht!“. Die Liebesgeschichte war aufgebläht, gekünstelt, klischeebeladen (eifersüchtige Schwester!) und eben ganz im Stile öffentlich-rechtlicher Kostümabendfilme. Kaum ertragbar für jüngeres oder anspruchvolleres Publikum. Zudem traten bei diesem Teil des Films die größten Schwachpunkte der gesamten Produktion eklatant zu Tage: hölzerne Dialoge und sterile Sets. Letzteres wurde auch bei den Soldatenszenen deutlich.
Lagerräume waren seltsam sauber, sinnlos standen Kisten herum, die „Kulisse“ als solche war so zu sehen wie die Geschlechtsteile in einem Porno. Wie es auch in solchen Erwachsenenfilmen der Fall ist, rutscht das schlechte Arrangement in den Vordergrund und verdrängt die Handlung. Dabei hatte man authentische (Original-?)Drehorte ausgewählt und sorgsam auf Sprache und Kleidung (die auch immer irgendwie mehr nach Kostüm als Uniform aussahen) geachtet. Um dann doch Authenzität hinein zubringen wurden immer wieder Bierflaschen in Großaufnahme gezeigt, die mit altertümlichen Namen wie „Germania-Bräu“ usw. „Alte Zeiten“ suggerierten. Gut in Erinnerung bleiben auch die über den Film eingelegten Gesänge. Warum? Auch sie wirkten unglaublich inszeniert. Da werden dann die „Hits“ der Zeit unkritisch angestimmt (Heil dir im Siegerkranz, Wacht am Reihn,  Ich hat einen Kameraden, etc.) doch oft in Momenten die einfach danach schreien, dass sie für 50jährige Militaria-Spezialisten zurecht geschrieben werden. Zudem wurden meist nur die ersten Strophen gesungen… mehrmals im Film. Nervig. Die Filmmusik war einfallslosen Gedudel auf unterem Fernsehfilmniveu ohne packenden Moment wie z.B. Doldingers „Das Boot“-Thema, das in Erinnerung bleibt und die Szenen atmosphärisch unterstützt.
Endgültig den Vogel abgeschossen hat dann das Ende.
Nach langer auszehrender Reise, kommen die Männer der Emden nach Hause.  Man hätte das packend inszenieren können – für den Zuschauer, denn immerhin haben die Reisenden die Heimreise in ein vom Krieg zerrissenes Europa / Deutschland getan. Sie nehmen also all die Entbehrungen auf, um ihren sicheren Untergang entgegen zu gehen. Ideale Grundlage für ein tragisches Ende, das dem Zuschauer wenigstens in Erinnerung bleibt. Doch was passiert stattdessen?

Ein kaiserlicher Generaloberst liest eine Erklärung ab, die weit von der Wirklichkeit entfernt ist und so gar nicht dem entspricht, was die „Emden Men“ erlebt haben. Dieser Widerspruch wird durch die Rede übertönendes Gedröhne dargestellt. Dieser Moment sollte emotional sein, war aber vor allem eins: langweilig. So war man nicht vom dem oberflächlichen und falschen Geblubbere des Generaloberst angewidert sondern von dieser Inszenierung.
Der Film endet mit der Desertation einer der Hauptpersonen, der von seiner Verlobten – der anderen Hauptperson –   begleitet wird, die dafür ihre Hochzeit mit ihrem Fluchtbegleiter platzen lässt. Es folgen Einblendungen was aus den Leuten geworden ist.

Gut, es ist ein Film in dem der Zuschauer mal mit der deutschen Reichskriegsfahne – Patrioten werden sogar positiv dargestellt – mitfiebern kann. Ein seltenes Vergnügen, das aber nicht über die großen Schwächen des Films hinwegtäuschen darf. Gerettet wird er durch die sehr guten Neben(!)darsteller, die einem mitunter doch ans Herzen wachsen. Zudem gibt es einem Offizier den ich nach einer Weile wirklich zu hassen anfing. Hier setzt der King-Joffrey-Effekt aus Game of Thrones ein. Das hält auch bei der Stange.
Ich hoffe, dass es in 20 Jahren eine Neuverfilmung gibt, die sich dann wirklich als Kinofilm und nicht als überlanger Fernsehfilm versteht. Dann bin ich 45 und wünsche mir, dass nicht nur ich an dem Film Vergnügen finde, sondern auch das jüngere Publikum.

Advertisements
1 Kommentar
%d Bloggern gefällt das: