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Wie vor einem Jahr angekündigt, habe ich mir jetzt die „Männer der Emden“ (Trailer auf YouTube) angesehen und habe festgestellt, dass auch niedrige Erwartungen enttäuscht werden können. In der Kritik werden wohl hin und wieder Schlüsselpunkte der Handlung vor weg genommen (Spoiler).

Die Geschichte eines Landungstrupps der mit ansehen muss, wie sein Schiff versenkt wird und anschließend am Anfang des ersten Weltkrieges durch die halbe Welt reist, um zurück ins deutsche Reich zu kommen ist wie gemacht für eine Verfilmung. Exotische Schauplätze, spannder Zeitpunkt und Hintergrund… Man stelle sich vor es hätte sich um einen amerikansichen Zerstörer gehandelt, die Welt wäre voll von Verfilmungen. Nun kam 2013 eine deutsche Verfilmung ins Kino, die ungeschnitten fast drei Stunden dauert.

Doch so weit ich mich erinnern kann, lief dieser Kinofilm in keinem der Kinos der zwei Städte in denen ich mich meistens aufhalte. Die Kritiken waren gemischt. Als er nun letztens endlich im Fernsehen kam, schlug ich endlich zu. Ab der zweiten Hälfte des Films dann mit einer halben Flasche Rotwein im Blut, um es besser ertragen zu können. Read More

Angela Merkel ist immer noch Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland und wohl eine der geachtetsten Politikerinnen im westlichen Kulturkreis.

Ein Frau, die als kühl, träge und entscheidungsarm gilt – und genau dadurch ihre „unglaubliche“ Macht sichert. Nachfolger und Konkurrenz ist nicht in Sicht.

Als Staatsoberhaupt und – nach dem Bundespräsident – oberste Repräsentantin unseres Volkes, kann man nach einer quasi gewonnen Wahl erwarten, dass sie sich mit ihren Volksgenoss*innen [Ich liebe diese Sternchen *hüstel*], die sie gewählt haben gemein erklärt. Dafür gibt es – in glaub ich so ziemlich jedem Land der Erde – ein einfaches, billiges und beliebtes Ritual: Man schwenkt die Landesflagge.

Vom Bettler bis zum Millionär kann man so neben seinem Menschsein, seine Verbundenheit in seiner Volkszugehörigkeit ausdrücken und ein wohliges Gefühl gegenseitiger Akzeptanz ausstrahlen und gemeinsam gegen Ungerechtigkeit vorgehen. Die Deutschen haben das im Jahr 2006 auch wieder herausgefunden: im Sport.

Die Deutschen? Nein, wir alle sind verschieden, manche machen nicht mit.  Vor allem in der Politik gilt man schnell als bekloppt wenn man Deutschlandflaggen schwenkt.
Darunter auch unsere Bundeskanzlerin [Video unten]. Das sie durch das ignorieren dieser einfachen Geste faktisch sagt „Ihr seit mir alle herzlich egal!“ weiß wohl jeder andere Staatschef – sie leider anscheinend nicht.

„Moment, sie macht das doch nur, weil es um die Wahl ihrer Partei ging, nicht um Deutschland. Das muss man akzeptieren.“ Das ist in der Tat ein Grund zu sagen „Dann hat sie ja richtig gehandelt…“

Aber die angewiderten Züge in ihrem Gesicht sprechen Bände.

Mit dieser Geste hat sie den Charakterzug der Merkel-CDU wunderbar verkörpert: menschlich-kalt, arrogant, unpatriotisch und nur im Geschäftssinn von Fröhlichkeit ergriffen.

Das bestürzt mich sehr.

P.S.: Einige Kommentare unter dem Video erklären, warum mancher nicht die Flagge schwenken will: Er würde ja sagen, dass er zu diesen ganzen  bekloppten Kommentatoren gehört. Ich möchte es anders formulieren: Auch die Bekloppten gehören zu uns. Es ist die Frage ob wir sie gewähren lassen… Es gibt deswegen keinen Grund „Nein!“ zu Flagge zu sagen.

Meine Gefühle und Gedanken zur baldigen Bundestagswahl.

Vor 200 Jahren, 1813, haben unsere Vorfahren sich vom französischen Joch befreit, nur um dann von ihren Fürsten um das versprochene freiere Leben betrogen zu werden. Liest man heute in den üblichen Blättern / Blogs darüber, gewinnt man den Eindruck, dass selbst überzeugte Linksliberale Anhänger von Diktatur und Militarismus werden können. Bei manchen Texten schlägt eine Stimmung mit wie: „Europa und im besonderen Deutschland hätten bloß französisch und napoleonisch bleiben sollen. Dann wäre der ganze andere Mist im 20. Jahrhundert nicht passiert!“ Ach ja…

100 Jahre später, im Jahr 1913, lebte man einen gewöhnlichen Sommer und war doch nervös. Aufrüstung und gesellschaftliche Verwerfungen gediehen unter dem Alltag. Ein Jahr später ging die Urkatastrophe „1. Weltkrieg“ los und beendete die Machtstellung europäischer Nationen auf der Welt oder übergab sie einem langsamen Siechtum. Der 2. Weltkrieg übertraf, wie es sich für ein gescheites Sequel gehört, in Grausamkeit und Zerstörung den vorherigen Teil. Die Welt erbebte unter dem Ende dieses Krieges und gebar gewaltige Machtblöcke und Revolutionen. Am Ende implodierte das eine System und ließ – vom Selbstbewusstsein her – eine Lebenseinstellung und Wirtschaftssystem ins Leere taumeln, wie ein Ringer dessen Gegner sich mitten im Angriff in Luft auflöst.

Im jetzigen Jahr 2013, begegnet man einem fast nicht existenten Wahlkampf in Deutschland. Die immer gleichen Ausdrücke auf den Gesichtern, die gleichen Phrasen und unproduktiven Diskussionsrunden im Fernsehen. Die Diskussion zwischen zwei Spitzenkandidaten wird von der Diskussion über einen moderierenden Komödianten und eine schwarz-rot-goldne Kette schon fast vergessen. Read More

"Den Teufel spürt das Völkchen nie,
und wenn er sie beim Kragen hätte." - Goethe, Faust I

Ich komme aus einem Umfeld, in dem jede „bürgerliche Tugend“ eine über Jahre hart erarbeitete Sache ist. „Bürgerlichkeit“ (Ich spare mir für heute ein Definition) ist daher für mich nicht primär mit stumpf-biederer Pflichterfüllung im kapitalistischen Sklavensystem verbunden, sondern gilt für mich als eine sinnstiftende, kulturtragende und praktische Art des menschlichen Zusammenlebens .  Es ist für mich eine – widersprüchliche – „idealistische Tatsache“ die seit Jahrhunderten funktioniert.
Da ich aber auch aus diesen weniger-bürgerlichen Verhältnissen stamme, kann ich mich dem kritischen Blick nicht verweigern, den ich über die Jahre gewonnen habe.  Ergebnis ist, dass der oben erwähnte Vorwurf von der „stumpf-biederer Pflichterfüllung“ tatsächlich da ist und es mich auch immer wieder entsetzt, welche „Schablonen-Menschen“ in diesem Umfeld erwachsen oder wie unreflektiert diese Lebensweise zelebriert wird.
Als Beispiel dieser Unreflektiertheit möchte ich ein paar Beispiele bringen, bevor ich kurz auf einen Welt-Artikel eingehe, der diese „bürgerliche deutsche Jugend“ beschwört.

Das die „Bürgerlichkeit“ bei einigen Leuten so selbstverständlich  ist, dass sie diesen schon nicht mehr bewusst ist, beschreibe ich mal an folgenden Beispielen:

Intoleranz:  Die Ablehnung anderer Lebensformen entwächst einer Arroganz die auf fehlender Reflexion der eigenen Lebensart zu fußen: Da wird die junge Mutter, die gerade mit der Familiengründung befasst ist, im katholischen Gemeinderat gemoppt, weil sie (wegen der Familiengründung) nicht regelmäßigen kommen kann. Da sind die Söhne und Töchter dieser moppenden Gemeinderatsmitglieder, die aus halbwegs stabilen Familien stammen, die straff durchs Gymnasium marschieren, sich nebenbei sozial engagieren, irgend ein mechanisch-praktisches Hobby haben (Fußball, Basketball, Radfahren, Musikinstrument, etc.), im Studium karriereorientiert Praktika abklappern, auf Hauptschüler und Realschüler schimpfen (was sie dann wieder zurücknehmen, wenn sei bei den Jusos anfangen) und sich langfristige Partnerschaften zulegen möchten. Heirat und Familiengründung steht fest, lediglich der Termin ist noch fraglich. In diesem so bürgerlichen Schemata kommen dann aber neben der Intoleranz eben eine Blasiertheit zu Tage, die mir in vielen Fällen graust: Da ist man zwar der der bürgerliche Spross, wählt dann aber fleißig die Grünen, möchte am liebsten Hippie sein, kommt bei politischen Diskussionen aber nicht über Tagesschau-Niveu hinaus und die Neon ist eine Art Leitmedium. Pornos sind entweder Standart oder werden mit einer Distanz betrachtet bei der ich mich ins 19. Jahrhundert zurück versetzt fühle. Manche Mädchen holen sich übergangsweise Linksextreme aufs Zimmer, nur um ihn dann abzusägen, Jura zu studieren und dann mit spießigen Sportstudenten rumzuvögeln (Dieses Prinzip setzt sich dann auch konsequent fort, wenn die Sportstudenten „liebe Papas“ werden. Dann muss wieder ein „Prolet“ her). Apropos „Rumvögeln“: Die bürgerlichen Jungs brechen aus ihrer „langfristigen Beziehungssuche“ gerne aus und wechseln ihre Partnerinnen, meist jüngere „Arbeiter“-Töchter, wie die Schuhe.
Neben diesen Liebesdingen ist der Alltag gefüllt mit machen-machen-machen: Schule, Studium, Arbeit, Putzen, Hobby, Feiern, Schlafen und Ende. Zeit zum Lesen, Denken, Zusammenkommen und Ähnlichem fällt aus. Mit den „großen Dingen“ möchte man nur zu tun haben, wenn sie das Privates berühren. Bloß nicht Denken! Freunde! Familie (Was ist das denn noch, zu Zeiten der Homo-Ehe?)! Der Rest? Egal – so lange darüber nichts im Fernsehen kommt! Man ist vom Volk „emanzipiert“ und „individualisiert“ – „frei“. Wenn irgendwo Nazis blockiert werden, stellt man sich dann an die Seite schwarz-roter Fahnen und Ideen, die die „bürgerliche Gesellschaftsordnung“ überwinden wollen.

Die Forschungsgruppe Wahlen hat nun im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung die deutsche Jugend untersucht und ist zum Schluss gekommen, dass sie bürgerliche und konservative Werte anstrebt. Das finde ich sehr lustig, da – laut der Studie – der Begriff „Konservativ“ bei diesen Leuten doch verpönt ist. Die Welt „wird dynamischer“ und deswegen sucht man sein Heil in einer von der Tradition entkoppelten „traditionellen Familie“.  Dieser Rückzug ins Private hat schon einmal in der deutschen Geschichte stattgefunden. Damals nannte man es „Biedermeier“.

Deswegen würde ich diese Generation „Neo-Biedermeier“ nennen. Diesmal nicht den Fürsten sondern den Firmenchefs zur Freude, weil deren „Untertanen“ ihre „Sklaverei“ als „Leistungsorientierung“ bezeichnen. Die Leserin / der Leser kann sich selbst überzeugen. Hier der Artikel: http://www.welt.de/politik/deutschland/article116946779/So-buergerlich-tickt-die-deutsche-Jugend.html

P.S.: „Du stellst ja das „bürgerliche Leben“ ziemlich schlecht dar, verteidigst es aber auch. Warum?“
Ganz einfach: Ich lebe mit positiven Beispielen zusammen und lehne die Bürgerlichkeit ja in seiner Gesamtheit nicht ab. Im Gegenteil: Deutschland braucht nach fast 100 Jahren pausenloser Revolution (1919, 1933, 1945, 1968, ca. 1980, 1990, 2002) überhaupt eine „Bürgerlichkeit“. Es müsste nur etwas „korrigiert“ werden bzw. den Menschen bewusst gemacht werden, welches Glück (z.B. im Vergleich zu reinen Stammesgesellschaften) sie eigentlich haben und ein „Standesbewusstsein“ (ich nenne es jetzt mal so) her, das entfernt ist von dieser Intoleranz, Blasiertheit und sinnlosen – weil „nur“ privaten – „Leistungsorientierung“. Das sinnstiftende Element der Bürgerlichkeit das auch gemeinschaftlichere Gedanken (Empathie, Glaube/Tradition, Offenheit, Volk)  miteinbezieht, kann wieder wirken, wenn damit gearbeitet werden würde.

Mit einem wunderbar feinen und für ihn so typisch spitzen Aufsatz haut der Konservative Michael Klonovsky (Debattenresourt bei Focus) die Widersprüchlichkeit der etablierten Politik eben dieser im Bezug auf Einwanderung um die Ohren. Deutlich zeigt er auf das man doch endlich klar machen sollte, das es eben EINwanderer (Migranten) gibt, die Deutsche werden und mit dem der Rest des Volkes kein Problem mehr hat und solche, die das genaue Gegenteil sind („Migranten“):

„Archaisches Machotum, ehrpusselig, dummstolz, arbeitsunwillig, bildungsverachtend, gewaltbereit“

Auszug:

„… Wenn die „Frankfurter Rundschau“ in ihrer online-Ausgabe über den „Gipfel“ schreibt: „Tatsächlich sind Vorurteile gegenüber Zuwanderern und ein manifester Rassismus in Teilen der deutschen Gesellschaft das größte Hemmnis für eine erfolgreiche Integration. Darüber zu sprechen, wäre Aufgabe eines Integrationsgipfels“, dann beweist die Autorin nicht nur ihre Tauglichkeit für jede Art DDR, sondern es liegt auch die Vermutung nahe, dass sie, wie die kinderlose Kanzlerin, zumindest von einer Sorge nicht geplagt wird: dass man sie eines Nachts anruft, damit sie ihren Sohn auf der Intensivstation besucht oder im Leichenschauhaus identifiziert. […]

Frau Merkel hat zwar zu recht an den Anschlag von Solingen erinnert, sie hat sich für die Blutspur des NSU bei den Opfern entschuldigt, doch wie immer findet sie kein Wort für die Blutspur von Komaschlägerbanden und Tottretern muslimischer Abkunft, die sich durch dieses Land zieht und zwischen Solingen und NSU-Prozess weit mehr Menschen das Leben kostete als die schändlichen Anschläge der Neonazis. Es gibt etwas, das mächtiger ist als die vermeintlich mächtigste Frau Europas: die Feigheit, Dinge beim Namen zu nennen, statt sie mit Ignoranz und wohlmeinendem Gerede zuzukleistern.“

Lesen, bitte. Hier: Achse des Guten